Über die Produktion rassistischer Erfahrung.
Das Beispiel Siegessäule

Paragraph 175, die Schmach des JahrhundertsVor etwa einem Monat hat Maneo, das für seinen penetranten Rassismus bekannte schwule Überfalltelefon, zum „Tag gegen Homophobie“ am 17. 5. eine öffentlichkeitswirksame Kiss-In-Aktion veranstaltet. Kurioserweise stellte es das Datum nicht mehr, wie früher in der Schwulenbewegung allgemein üblich, in ein symbolisches Verhältnis zum § 175, dem berüchtigten deutschen Anti-Homosexuellen-Gesetz, das vier Systeme überdauerte und über Hunderttausend Menschen ins Gefängnis brachte oder in den Selbstmord trieb. Nein, das Datum soll jetzt an etwas Positiveres erinnern: die Streichung von Homosexualität aus der „International Classification of Diseases“ (ICD) — dem Krankheitskatalog der WHO.

Dass dies gerade am 17. Mai 1990 passierte — als ob’s ein Zufall wäre! —, zeigt, dass die Bedeutung des 175ers, mit dem nicht nur Adenauer, sondern auch die Nazis operierten, international höher angesetzt wird als am Ort des Verbrechens selbst: in Deutschland, das die härteste Homosexuellenverfolgung des 20. Jahrhunderts, ja der Geschichte überhaupt zu verbuchen hat. Hierzulande wird man nicht gern daran erinnert, dass einmal — und es ist nicht lange her — Staat und Volksgemeinschaft so einmütig gegen Schwule standen, dass der Paragraph im Jahr 1969 nur gegen den Willen der Mehrheit aus seiner Nazi-Fassung entschärft werden konnte. Hierzulande, wo es der Denunzianten-Mob besonders schlimm trieb, möchte man das Problem lieber auf die „Ausländer“ abwälzen.

Diesem Zweck diente nicht nur die wissenschaftlich extrem unseriöse Befragung über antischwule Gewalt, die Maneo kurz vorher veröffentlicht und entsprechend kommentiert hatte. Diesem Zweck dient auch der aktuelle Siegessäule-Report von Martin Reichert über die Maneo-„Kiss-In“-Aktion in fünf Berliner Bezirken, welche vom Autor argumentlos als „problematisches Pflaster“ identifiziert werden.

Hierzu kurz einige theoretische Vorab-Erläuterungen: Rassisten berufen sich gern auf ihre „Erfahrung“. Ich möchte nicht bestreiten, dass einige Schwule die Erfahrung gemacht haben, von Migrantenjugendlichen angemacht worden zu sein. Trotzdem lässt sich, wie ich hier gezeigt habe, daraus keinerlei verlässlicher Schluss ziehen, ob homophobe Gewalt unter Migrant_innen nun statistisch über- oder unterrepräsentiert ist und ob sie auch nur irgendeine nachvollziehbare „ethnische“ Komponente hat. Die Leute meinen, „Erfahrungen“ sprächen für sich, aber das tun sie nicht.

Tatsächlich steckt hinter der Verarbeitung von Erfahrung durch den Rassisten eine höchst selektive Form der Theorie, nämlich ein Weltbild, wonach das, was Deutsche tun, „normal“, d.h. nicht weiter thematisierenswert sei, während das, was „Kanaken“ tun, als Ausdruck einer abweichenden und in sich problematischen „Fremdkultur“ gelesen werden müsse. Handlungen von Deutschen werden gesellschaftlich erklärt (d.h. mit der Möglichkeit sozialer Widersprüche und milieuspezifischer Varianz), während Handlungen von Migrant_innen kulturell interpretiert werden (d.h. widerspruchslos, ohne soziale Variation und von allen kollektiv geteilt).

Ein gutes Beispiel gibt der Siegessäule-Report von Martin Reichert, der eine Handvoll homophober Vorkommnisse schildert, die sich während der Kiss-In-Aktion ereignet hatten. Einer streng ethnisierenden Logik folgend, hat Reichert die erste Hälfte des Artikels den herkunftsspezifisch nicht weiter unterteilten Eingeborenen (Berlin? Bayern? Hamburg? Rheinland?), die zweite Hälfte den „Kanaken“ gewidmet.

Vorfall Nr. 1:

Doch nun nähert sich gleich ein ganzes Ausflugsschiff mit besoffenen Fußball-Hooligans der unweit vom Rathaus gelegenen Schiffsanlegestelle „Köpenick Luisenhain“. Hooligans machen laut Studie 2 Prozent der Täter aus. Gegröle ist zu hören, einige der Polizeibeamten steigen aus ihren Bussen, ziehen schon mal die Barette auf. Jetzt geht’s los — die Kussaktion ist in vollem Gange. Was wird passieren? Das Schiff legt wieder ab. Die besoffenen Herren, Hertha-BSC-Fans, grölen zum Abschied im Chor „Schwuuule, Kinderficker von der Wuhle!“ Doch das gilt nicht der Demo, sondern dem hier beheimateten 1. FC Union. Die Demo haben sie gar nicht bemerkt, und den Gegner als „schwul“ zu diffamieren ist normal. Eine Meldung in der Tagesschau springt hier nicht raus.

Ein ganzer Haufen Männer verhält sich kollektiv homophob, aber das ist „normal“, d.h. es wird einfach so hingenommen. Die Homophobie wird nicht als Ausdruck der „deutschen Kultur“ gelesen, sondern als Zeremoniell innerhalb einer bestimmten Szene, die sich eben durch Vulgärität und rituelle Beschimpfungen auszeichnet. Aber warum beschimpfen sie ihre Gegner gerade als Schwule? Wie kommt denn diese Homophobie in die Hooligan-Szene, wenn sie nichts mit der Verfasstheit der deutschen Gesellschaft zu tun hat? Solche Fragen werden nicht aufgeworfen, eben vor dem Hintergrund, dass Homophobie unter Deutschen „normal“, d.h. nicht problematisierenswert sei.

Aber gehen wir weiter:

Um die Ecke biegt ein älteres Ehepaar und schaut interessiert auf unser küssendes Männerpaar, das gerade neben der bronzenen Figur des Hauptmanns von Köpenick abgelichtet wird. „Wussten Sie, dass heute der Internationale Tag gegen Homophobie ist?“ – „Nein, ich dachte, heute ist Herrentag?“, antwortet die Dame. […] „Na ja, früher war das ja eine Straftat, nicht?”, plaudert der Herr. „Ein bisschen komisch ist das ja schon, wenn man selbst anders veranlagt ist. Aber wenn es sein muss und die das schön finden: Warum nicht?“ Die Gemahlin will das so nicht stehen lassen: „Also schön finden wir das nun auch nicht, das müssen wir schon sagen.“ Daraufhin der Gatte keckernd: „Also ehrlich gesagt: Bei den Frauen finde ich das schon eher schön.“ Was wiederum nun die Gattin gar nicht schön findet, aber heute ist schließlich Herrentag.
Oldschool-Homophobie, nicht mehr, nicht weniger.

Wieder wird Homophobie renormalisiert. „Oldschool-Homophobie, nicht mehr, nicht weniger“ — d.h. es muss nicht weiter überraschen, braucht nicht skandalisiert zu werden und verlangt keine Konsequenzen. Schwule „zu diffamieren ist normal“ (s.o.), jedenfalls dann, wenn Deutsche es tun. Kein Grund, daraus pauschalisierende Kategorien abzuleiten à la „der homophobe Teutone“ usw.

Als nächstes sucht man nun gezielt Migrant_innenkieze auf, ist doch damit zu rechnen, dass die Homophoben dort endlich auch mal „Kanaken“ und nicht immer nur Deutsche sind! Der Wunsch, erstere als Täter auszumachen, ist geradezu überwältigend:

Die Maneo-Studie liefert den üblichen politisch korrekten Eiertanz: Die Gewaltopfer wurden zwar explizit gefragt, ob die Täter „rechtsradikale Deutsche“ (7 %) , „Fußballhooligans“ (2%) oder „nicht weiter auffällig“ (49 %) waren, nicht jedoch, ob es sich womöglich um „Migranten“ gehandelt hat. Für diesen Fall gab es lediglich ein „offenes Feld“, in dem schließlich auch ohne konkrete Ermutigung 16 Prozent „Migranten“ genannt wurden. Bastian Finke windet sich bei diesem Thema: „Hätten wir gezielt danach gefragt, hätten wir noch mehr Nennungen bekommen, aber das Thema ,Migranten als Täter’ ist angstbesetzt. Wir waren uns nicht sicher, ob es innerhalb der Homo-Szene genug Kräfte gibt, die das Standing haben, mit diesen Ergebnissen umzugehen.“ Übersetzt bedeutet dies, dass er und Michael Bochow – der verantwortliche Soziologe der Maneo-Studie – nicht das Risiko eines Rassismus-Vorwurfs eingehen wollten. […] Doch dieses Merkmal einer Haupttätergruppe einfach wegzulassen, ist auch keine Lösung. In der Community sinkt die Bereitschaft, auf solche Scheuklappen und Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen: Wer nachts im Tiergarten von Jugendlichen, die „türkisch miteinander gesprochen haben“ (Maneo-Pressemitteilung), mit Fahrradketten halbtot geschlagen wird, der will, dass der kulturelle Background der Täter beim Namen genannt wird. 16 Prozent? Der restliche Anteil versteckt sich erst mal unauffällig hinter der Rubrik „nicht weiter auffällig“.

Doch man wird am Hermannplatz zunächst enttäuscht:

Der ursprünglich aus dem Libanon stammende Hassan (17) gehört jedenfalls nicht zur Tätergruppe: „Das ist doch deren Privatsache“, sagt er angesichts der Küssenden auf dem Hermannplatz. Hassan wohnt hier um die Ecke in der Sonnenallee und hat schon des Öfteren Schwule und Lesben im Kiez gesehen, „aber noch nie so viele auf einmal!“ Der junge Mann stört sich nicht daran. „Es hat doch jeder ein Recht auf Respekt“, sagt er und geht.

Boah, jetzt ist man aber furchtbar geknickt!

Doch führt das etwa zu einer Infragestellung der Kategorie „homophober Ausländer“? Iwo, man muss nur weiter suchen!

„Das ist eklig“, sagt schließlich eine Endzwanzigerin mit weit aufgerissenen, ungläubigen Augen. „Das ist nicht gut, das ist überhaupt nicht gut“, wiederholt sie – und muss lachen. Sie ist beschämt, verwirrt: „Ich habe so etwas hier noch nie gesehen, das ist nicht normal. Normal sind Mann und Frau. Ich weiß, dass viele von diesen Leuten hier wohnen, aber das ist nicht gut. Eigentlich muss man doch etwas dagegen tun. Ich bin aus dem Irak, dort gibt es das auch, aber die Gesellschaft akzeptiert das nicht, das wird bestraft.“

Jawohl, und diese Frau liefert die kulturalistische Deutung gleich selbst mit! Wer wollte das noch in Frage stellen? Und was ist auf einmal mit dem Libanesen? Aus dem Auge, aus dem Sinn! Der „kulturell bedingt“ homophobe Ausländer ist als Topos etabliert. Statt sich aber mal zu fragen, ob das mit der „andersartigen Kultur“ denn wirklich stimmt — denn schließlich ist man kurz vorher auf eine ganze Horde homophober deutscher Männer gestoßen, die offenbar nicht sehr viel anders dachten —, wird die kulturalistische Selbstdeutung der Frau umstandslos sanktioniert. Und jetzt setzt man statt mit: „ist doch normal“, wie bei den Deutschen, mit einem kulturellen Erziehungsauftrag an:

Sie sagt das ohne Hass, wirkt offen und liebenswürdig — bereit zu reden. Vielleicht sogar über sexuelle Selbstbestimmung, über traditionelle Geschlechterbilder. Es fragt sie nur niemand. Rassismus bedeutet eben auch, Menschen mit einer anderen kulturellen Identität zu unterstellen, dass sie von Natur aus nicht in der Lage seien, ihre Einstellungen zu überprüfen oder gar zu ändern.

Komisch, dass man dieses Bedürfnis, jemanden aufzuklären, bei den deutschen Homophoben nicht verspürt hat. Aber hier, gegenüber „Menschen mit einer anderen kulturellen Identität“ fühlt man sich plötzlich zum Missionar berufen. Da ist die Homophobie nicht „normal“, sondern abartig! Eben kanakisch, fremd, undeutsch.

Aber irgendwie ist das noch nicht befriedigend. Eins zu eins am Hermannplatz, da muss noch ein anderer Migrantenkiez her, um das Verhältnis zu Lasten der aufgrund ihrer „Kultur“ kollektiv als homophob beschuldigten Kanaken auszugleichen:

Es geht weiter zum Kottbusser Tor, Kreuzberg-Kulisse. Die Polizei ist schon da, einige der Aktivisten vom Hermannplatz auch. Auch auf die homophobe Klientel, eine türkischstämmige Jungs-Clique, ist hier Verlass: „Ich ekel mich, Mann!“, ruft der Anführer hasserfüllt und führt seinen breitbeinig schreitenden Tross weiter in Richtung Adalbertstraße. Berlin ohne Filter, am Kottbusser Tor ist immer Bambule, aber lauter Schwule und Lesben, die sich am helllichten Tag abknutschen – ohne Techno-Musik, Trucks und schrille Kostüme? Es ist, als ob ein Ufo gelandet wäre. An der Kreuzung hält ein Reisebus mit Polen, die es nicht fassen können. Sie drücken sich die Nasen an der Scheibe platt.

Endlich, Polen, Türken und das ganze Gesocks! Jetzt hat man’s also mit der eigenen Erfahrung bewiesen: Türkenbengels entsprechen den Erwartungen, „auf sie ist Verlass“. Und wenn sich einer anders verhält, dann doch nur, weil er mangels Beherrschung der deutschen Sprache nicht weiß, worum’s geht:

Zum Abschied winkt ein mittelalter Herr türkischer Herkunft. Er ist betrunken und hat einen „Protect every kiss“-Aufkleber von Maneo an der Jacke kleben. Worum es hier überhaupt ging, hat er nicht verstanden, denn er spricht kein Deutsch. Für Leute wie ihn müsste man auch mal eine Demo veranstalten, er wirkte nicht so, als ob er sich in diesem Land besonders aufgehoben fühlt. Eher „desintegriert“, wie es der Soziologe Wilhelm Heitmeyer ausdrücken würde, und das ist gefährlich: „Bei der Gewalt gegen Schwule geht es um die Aufwertung der Eigengruppe, um sich selbst nicht am unteren Rand der Gesellschaft verorten zu müssen.“

Es ist echt unfassbar. Da verhält sich einer nicht homophob, und gerade an ihm soll demonstriert werden, dass „Kanaken“ für Schwule eine manifeste Gefahr wären! Und dann die Ableitung von Homophobie aus „Desintegration“ — ja, was ist denn mit den homophoben Deutschen? Waren die auch alle desintegriert, als sie „Schwuuule, Kinderficker von der Wuhle!“ grölten?

Fazit

So schaut also rassistische „Erfahrung“ aus: Homophobie (oder auch umgekehrt: die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Liebe) wird sowohl unter Deutschen als auch unter Nichtdeutschen erlebt (wobei diese Kategorien natürlich ethnisch interpretiert werden und keine Staatsbürgerschaft bezeichnen). Aber der Rassist leitet daraus nicht etwa ab, dass Homophobie gar nichts mit „Ethnie“ zu tun hätte. Er bleibt trotz seiner abweichenden Erfahrungen bei einer kategoriengeleiteten Interpretation, wonach Homophobie unter Migrant_innen als etwas Besonderes zu interpretieren sei, während sie bei Deutschen eine normale gesellschaftliche Erscheinung darstellt, die als solche nicht problematisiert werden muss. Zu problematisieren ist allein die „Ausländer“-Homophobie. Sie verlangt nach der Einleitung von Gegenmaßnahmen: Integrationskurse, Aufklärung, Missionierung etc. Sie ist etwas Andersartiges, nicht etwa weil man nachweisen könnte, dass „Kanaken“ bei homophober Gewalt überrepräsentiert wären, sondern weil „Kanaken“ kulturelle Fremde sind und ihr Verhalten deshalb abnorm.

Das ist die Interpretationsfolie des Rassisten, und sie zeigt, dass seine Erfahrung schon immer kategoriengeleitet ist und nicht erst a posterio zu irgendwelchen Urteilen kommt. Sie hat überhaupt nichts damit zu tun, wie häufig Homophobie von welcher Seite erlebt wird; sie hat etwas damit zu tun, dass Homophobie von Seiten Deutscher als normal empfunden wird, während sie, sobald sie von Migrant_innen ausgeht, einem kulturellen Othering unterliegt!

    Dieser Beitrag ist ein überarbeiteter Kommentar zu der folgenden Story. Thema war, ob rassistische Vorurteile erfahrungsbasiert sind oder im Gegenteil erfahrungsresistent. Der Siegessäule-Artikel war hierfür nur eine Demonstration ad oculos, „nicht mehr, nicht weniger“. Keinesfalls will ich behaupten, dass Schwule rassistischer sind als andere Menschen, obwohl auch ich hier mit so mancher „Erfahrung“ argumentieren könnte.

13 Antworten auf “Über die Produktion rassistischer Erfahrung.
Das Beispiel Siegessäule”


  1. Gravatar Icon 1 Ulli 21. Juni 2007 um 18:22 Uhr

    schöner text, danke!
    MoM / maneo bestechen ja schon seit langem durch differenzierte arbeit …
    http://ondamaris.blogspot.com/2006/11/ber-solidaritt-und-wegsehen.html
    lg ulli

  2. Gravatar Icon 2 lysis 22. Juni 2007 um 23:27 Uhr

    Ja, Maneo und besonders Bastian Finke stehen eigentlich im Zentrum dieser ganzen rassistischen Kampagne, die seit einem guten Jahrzehnt in der schwulen „Community“ geführt wird. Ich hab mich allerdings eher von der Peripherie her vorgearbeitet, zuerst über den Artikel von Jörg Fischer auf „Mut gegen rechte Gewalt“ und Hagalil sowie jetzt über den Report in der Siegessäule. Bastian Finke selbt ist ein derart hoffnungsloser Fall, da kann man gar nichts mehr machen. Der ist überzeugter Rassist und kennt die Kritik, die seit über einem Jahrzehnt an ihm geübt wird, ohne dass sich in seinem Kopf irgendwas geändert hätte.

    Exemplarischer Zwischenfall vor 10 Jahren, der Finkes rassistisches Weltbild hinreichend charakterisiert:

    Die Ausländerbeauftragte von Berlin-Schöneberg lädt den Leiter des Überfalltelefons zu einem Rundtischgespräch mit Flüchtlings- und Immigrantengruppen ein, um Lösungsansätze antischwuler Gewalt zu diskutieren. Finke lehnt dankend ab, wie das vom Autonomen AStA-Schwulenreferat der FU herausgegebene Schwule Semesterinfo berichtet: “Die Opfer sollten nicht zu den Tätern gehen.”

    Was soll man mit solchen Leuten noch diskutieren?

  3. Gravatar Icon 3 yeahpope 17. Juli 2007 um 19:49 Uhr

    danke für den guten artikel, lysis.
    aber ayiii!! – schaut, was mir der google alert grad schon wieder abgefahrenes apportiert hat: die kritik an maneo und siegessäule passt anscheinend auch den „antirassistischen“ schreiberlingen bei kreuz.net gut ins programm…. hat da etwa jemand abgeschrieben??

  4. Gravatar Icon 4 http://leftqueers.blogsport.de/ 03. August 2007 um 18:17 Uhr

    „….“Die Opfer sollten nicht zu den Tätern gehen.”….“ Hä? Was soll denn der Scheiß? Wie kann man „Opfer“ sein, wenn noch nichts passiert ist? Hat der zu lange Heiss gebadet oder wurde der armne mit dem Klammerbeutel gepudert?

    In einem aktuellen Beitrag bei http://queer.de kommt ja wiedereinmal „Maneo“ zu Wort.

    Ich Zitiere: „..Maneo: Gewalt gegen Schwule Alltag in Berlin

    Das Anti-Gewalt-Projekt Maneo berichtet, dass es in der Hauptstadt weiterhin häufig zu gewalttätigen Übergriffen gegen Schwule komme. „Unser Überfalltelefon läuft momentan heiß. Die Botschaft, Homophobie und Hassgewalt nicht einfach zu bagatellisieren, sondern zu melden, ist bei vielen angekommen“, erklärte Maneo-Projektleiter Bastian Finke. Gewalt gegen Schwule sei „weiterhin Alltag“. Dabei zitierte er mehrere Fallmeldungen der letzten Wochen. So habe eine Krankenschwester einem schwulen Paar, das in Mitte überfallen worden war, unverblümt gesagt, es hätte sich wohl „zu schwul verhalten“. Der Nachbar eines Neuköllner Paares habe deren Türe mit einem Messer durchlöchert. In Kreuzberg wurden zwei Schwule am Blücherplatz mit Pflasterstein beworfen. Daraufhin habe der Geschädigter gefragt: „Sollen wir uns zum Selbstschutz zukünftig bewaffen?“.“ Zitat Ende

    Also, wenn ich so wie heute mit Leuten aus hamburg, Berlin, etc am Chatten bin, wird mir berichtet, das dies alles wohl Hirngespinste seien. Natürlich gibt es Gewalt, auch gegen schwule. Dies nun aber auf die einwanderer Allein zu beziehen oder so, wie es ein gewisser „Fred“ macht, alle Muslime vorzuverurteilen bzw unter Generalverdacht zu stellen, so kommen wir nicht weiter!

    P.S.: Laut chattern ist das mit den angeblichen „No-Go-Areas“ in St.Georg absoluter Schwachsinn..

  5. Gravatar Icon 5 tee 03. August 2007 um 20:55 Uhr

    Was ist rassistisch daran, wenn ich davon ausgehe, dass meine Leser wissen, was ich meine, wenn ich von Jugendlichen mit Migrationshintergrund spreche, nämlich dass es sich in der Regel um einen arabisch-türkischen Migrationshintergrund handelt und um den Islam, wenn dabei eine Religion im Spiel ist?

    so damiens antwort bei gaywest auf den einwurf, dass da evt. vielleicht ein bissl rassismus mit drin stecken könnte.
    „multikultiverliebte taz“ sag ich nur …

    egal, wollt nur mal auf den beitrag dort hinweisen (und ihn hierauf), wenn grad von st.georg die schreibe ist.

  6. Gravatar Icon 6 lysis 04. August 2007 um 4:25 Uhr

    tee: man muss nicht an jeder mülltonne schnüffeln. „gaywest“ gehört, ähnlich wie „politically incorrect“, zu den blogs, mit deren rechtsradikalen machern ich nicht diskutiere. da könnte ich ja gleich mit der „jungen freiheit“ in einen diskurs treten!

    noch dazu ist „gaywest“ völlig unbedeutend und wird es, bis zur unwahrscheinlichen auferstehung von pim fortuyn, wohl auch bleiben.

  7. Gravatar Icon 7 tee 05. August 2007 um 2:48 Uhr

    tja, du …
    (übrigens leider nicht für alle unbedeutend, deswegen halt)

  8. Gravatar Icon 8 bikepunk 089 26. September 2007 um 13:56 Uhr

    Passt vielleicht zum Thema „Produktion rassistischen Wissens“ – (und wär was für die linkdump Kategorie?): urmilla über eine LSVD Studie, nach der Migrantenkids zu 80% homophob sind.

  9. Gravatar Icon 9 aladin 26. September 2007 um 17:01 Uhr

    Wär auch seltsam, wenn Migranten gegen die herrschenden gesellschaftlichen Ansichten immun wären. Wenn nur 80% der in Deutschland lebenden Menschen homophob wären, wär das schon ein enormer Fortschritt.

  10. Gravatar Icon 10 waldschrat 02. Januar 2008 um 1:27 Uhr

    oh ja, die großartioge maneo-studie, da mochte ich mir die methodologie nicht mehr zu gemüte führen.
    die old-school-homophobie und artverwandtes kann man, bestritten von ethno-deutschen studenten und einem dozenten auch an der uni duisburg erleben, wo die berührungsängst doch recht hoch sind. da es aber noch menschen geben soll, spricht der kohlenpott sicher nicht pro toto, aber die püberraschung sitzt.
    heitmeyer dichtet den migranmten (welchen?) ja gar zu gerne neben homophobie das hobby der parallelgesellschaft an, was aber andere leute durchaus widerlegt haben, mit dem interessanten ergebnis, daß hier weit mehr die ausprägung persönlichen gesellschaftsbedürfnis eine rolle spielte, als das gezielte einkapseln in der herkunftskultur.
    generell neige ich indes dazu, die ganzen schwulen szene-postillen als grandiose materialvergeuidung anzusehen, befördern sie vielfach -neben solchen auswüchsen wie dem maneo-report, die von etlichen leuten auch begierig wie unkritisch (da selber latent zum rassismus neigend?) aufgesogen wird. ansponsten: schönheitskult, mode- und statussymbolgedöns…partykalender (wohl das meistegelesene), also ein milieutechnisch durchaus zuordbares organ. und die leute, die zu viel auf den rippen haben, die arm sind etc., die kriegen hier die maßstäbe vorgeführt, nach denen man etwas gilt. zu weiterem fragen sie den örtlichen psychotherapeuten.
    indes: was dann in der taz letzthin von chef-empörerin und berufsschwester frl. feddersen zu lesen war, war dann nur aufgewärmt bis aufgeblähtes.
    allerdings, es gab ja mehrere artikel, wurde auf auch die persönliche erfahrung verwiesen mit dem jeweils dämonisierten gegenüber, die dann offenbar vielfach die doch so wichtigen diskurs-instrumente vorurteil und hatz auf den kopf stellte.
    so lob ich mich denn mehr als einer positiven erfahrung mit den geschmähten migrantengruppen und ein schwuler kommilitone, moslem obendrein, ist mit eins der treuesten und hilfsbereitesten wesen. da könnten sich die reichstucken doch mal eine scheibe abschneiden.

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