Dschungel-Homophobie

Die „linke“ Wochenzeitung Jungle World überschlägt sich gerade mal wieder vor lauter Homophobie. Durfte Henryk M. Broder in der letzten Ausgabe beklagen, dass das deutsche Volk kein Immunsystem (!) gegen Homos wie Hella von Sinnen und Dirk Bach mehr hätte, ihm also, auf gut Teutsch, das „gesunde Volksempfinden“ abhanden gekommen wäre, erklärt uns Thomas Uwer jetzt, wie Sex zwischen Jungen im Nordirak einzuordnen sei, nämlich als bloße Ersatzhandlung:

Dabei ist Sex unter Männern bzw. Jungen weder ungewöhnlich noch selten im kurdischen Nordirak. In den meisten Fällen ist er schlicht die einzig mögliche Form zwischenmenschlicher Sexualität und wird als »Ersatzhandlung« oft geduldet. Geschlechtliche, oft schon freundschaftliche Kontakte zwischen Jungen und Mädchen unterliegen hingegen einem absoluten Tabu […]

Es ist die alte, homophobe, aus der Sexualwissenschaft von Krafft-Ebing übernommene Unterscheidung zwischen „echter“ und sog. Pseudohomosexualität, die hier ein weiteres Mal aufgefahren wird, um schwulen Sex als nicht gleichwertige Variante menschlicher Lust zu disqualifizieren. Heute findet sich diese Differenzierung eigentlich nur noch in christlich-konservativen Kreisen, etwa bei Anhängern der sog. Reparativen Therapie — und natürlich in der Jungle World!

Vielleicht hülfe es Uwer und den seit Jahren allen möglichen homophoben und rassistischen Mist veröffentlichenden JW-Redakteur_innen ja, einmal bei moderneren Autoren als Krafft-Ebing (gest. 1902) nachzuschlagen und etwa mit Gunter Schmidt, Professor für Sexualwissenschaft an der Universität Hamburg, zu fragen: Gibt es Heterosexualität?

Das Gebot der Monosexualität ist die Megaregel unserer sexuellen Ordnung, das Gebot der Heterosexualität dieser nachgeordnet. Und: Schwule und Lesben, heterosexuelle Männer und heterosexuelle Frauen sind Verschworene, Komplizen der monosexuellen Ordnung. Sie verankert Ursprung und Bedeutung der sexuellen Orientierung fest ins Innere des Individuums, in seine Biografie, seinen Charakter oder seine Biologie. Soziale und historische Zusammenhänge sind nachgeordnet, wenn sie überhaupt vorkommen. Das aber ist eine relative junge Betrachtungsweise.

Michel Foucault hat als Erster darauf hingewiesen, dass erst seit Ende des 18. Jahrhunderts aus der Sünde der Sodomie, also aus einem bestimmten Akt oder Verhalten, allmählich ein besonderer Typus, eine besondere Art von Mensch wurde, ausgestattet mit besonderen Eigenschaften. «Als eine der Gestalten der Sexualität», sagt Foucault, «ist die Homosexualität aufgetaucht, als sie von der Praktik der Sodomie zu einer Art innerer Androgynie, einem Hermaphroditismus der Seele herabgedrückt worden ist. Der Sodomit war ein Gestrauchelter, der Homosexuelle ist eine Spezies.» […]

Der Prozess der Schaffung einer homosexuellen oder heterosexuellen Selbstgewissheit ritualisierte und verfestigte sowohl die Hetero- als auch die Homosexualität bis zu ihrer Erstarrung. Dieser Prozess erstreckt sich über die letzten 150 Jahre und wurde in den letzten 25 Jahren noch einmal akzentuiert — scheinbar paradoxerweise auch durch das selbstbewusstere und öffentliche Auftreten der Schwulenbewegung. Am Verhalten Jugendlicher lässt sich dies ablesen. Von den sechzehn- und siebzehnjährigen Jungen, die durch unser Institut 1970 interviewt worden waren, gaben noch achtzehn Prozent an, schon einmal Sex mit einem Jungen gehabt zu haben; 1990 berichten nur noch zwei Prozent über solche Erfahrungen. Das sind erhebliche Veränderungen. Die Ursache scheint einfach: Durch die Allgegenwart der Kategorien homosexuell/heterosexuell etikettieren Jugendliche heute gleichgeschlechtliche Erlebnisse sehr schnell als «schwul»; aus spielerischer Lust am gegenseitigen Onanieren ist ein schwuler Akt geworden.

[…]

Jedenfalls schuf diese Entwicklung erst Zwangsheterosexualität und Zwangshomosexualität in der uns geläufigen Form und Heterosexualisten und Homosexualisten, die sich stur einer sexuellen Orientierung zuordnen und dies für die — im Wortsinn! — natürlichste Sache der Welt halten. Beiden behagen biologische Theorien über die Entstehung von Homo- und Heterosexualität. Die Suche nach der biologischen Essenz und der Furor, mit dem sie betrieben wird, soll die alten Verhältnisse festzimmern.

Die starren Kategorien könnten ins Wanken kommen. Es gibt bei jüngeren, gut ausgebildeten Männern, aber vor allem bei Frauen durchaus Anzeichen einer Lockerung monosexueller Beharrlichkeit — zumindest im Kopf. In unserer Studentenstudie halten sich lediglich achtzig Prozent der Männer und siebzig Prozent der Frauen für «ausschließlich» heterosexuell; ein Drittel der Männer und fast drei Fünftel der Fauen fühlen sich zumindest gelegentlich vom gleichen Geschlecht erotisch angezogen. Frauen sind also durchweg flexibler als Männer. Bei den meisten Befragten aber verharren solche zarten Auflösungserscheinungen heterosexueller Verschlossenheit noch in Fantasie und Kognition — sie denken dran, sie machen es nicht.

Einen Ausweg weist der ungarische Schriftsteller Peter Nadas. In seinem Essay «Von der himmlischen und von der irdischen Liebe» hat er die Utopie einer Sexualität jenseits starrer Orientierungen formuliert. Er will sich nicht einreden lassen, «dass ich die Augen noch so sehr aufreißen kann, und doch nur Frauen und Männer sehe». Ein «solches Denken kann nicht anders, als sich an die alleroffenkundigsten physischen Gegebenheiten zu halten und Normen für die Liebeslust und Liebeshandlung an den Sexus, das Geschlecht zu binden. Für die menschliche Gattung als Ganzes gesehen sind die Folgen verheerend. Denn wenn ich Normen für Liebeslust und Liebesakt an die sich im Sexus manifestierenden Gegebenheiten binde, dann habe ich darauf verzichtet, von der Seele überhaupt erst zu sprechen.»

So einfach ist das. Und Thomas Uwer könnte wieder lachen.


15 Antworten auf “Dschungel-Homophobie”


  1. Gravatar Icon 1 lampeAN 26. Juli 2007 um 17:47 Uhr

    komplett steht da:

    „Nach irakischem Recht erreicht ein Kind mit sieben Jahren die Strafmündigkeit, die kurdischen Behörden haben diese Grenze auf neun Jahre erhöht. Von diesem Alter an wird, wer sich erwischen lässt, mitunter zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt, dabei sind fünf Jahre keine Seltenheit, auch zehn oder 15 Jahre kommen häufig vor. Erreichen sie die Volljährigkeit während der Inhaftierung, werden sie in den Erwachsenenvollzug verlegt. Etwa die Hälfte der Jungen in der Jugendstrafvollzugsanstalt von Suleimaniyah sitzt wegen »sexueller Handlungen« ein, genauer: wegen schwulem Sex.

    Homosexualität wird auch im heutigen Irak nach wie vor bestraft, auch wenn sie als Straftatbestand nicht gesondert definiert wurde. Geprägt vom arabisch-sozialistischen Geist der sechziger Jahre, regelt das irakische Recht alle Lebensäußerungen, die für »Volk«, »Nation« und »öffentlichen Anstand« von Bedeutung sein könnten. Es bestraft unfruchtbare Männer und Frauen, die im Wissen um ihre Zeugungsunfähigkeit eine Ehe eingegangen sind, verbietet Analverkehr, verfolgt »unziemliche Äußerungen« und »Avancen« in der Öffentlichkeit und untersagt jeden einvernehmlichen geschlechtlichen Kontakt unter 18 Jahren.

    Dabei ist Sex unter Männern bzw. Jungen weder ungewöhnlich noch selten im kurdischen Nordirak. In den meisten Fällen ist er schlicht die einzig mögliche Form zwischenmenschlicher Sexualität und wird als »Ersatzhandlung« oft geduldet. Geschlechtliche, oft schon freundschaftliche Kontakte zwischen Jungen und Mädchen unterliegen hingegen einem absoluten Tabu, für dessen Bruch in der Regel die Mädchen zahlen, mitunter mit dem Leben. Die Jungen, die in Ma’ska Salam wegen »homosexueller Handlungen« einsitzen, haben meist ein anderes Tabu gebrochen. Sie haben sich entweder gegen ihre Familie gekehrt oder, was schlimmer ist, stehen unter dem Verdacht, aus Lust oder Liebe mit Jungen geschlafen zu haben.

    Die Sexualität ist vollständig aus der Öffentlichkeit verbannt und, vor jeder Kultivierung abgeschirmt, lediglich als unsublimierter Fortpflanzungsakt geduldet. Lust und Verliebtheit gelten als Schwäche, Triebversagung gilt als männliche Stärke. Bestraft wird daher auch nicht der reine Geschlechtsakt unter Männern, sondern Lustempfinden und die »Schwäche« der Jugendlichen, die nicht den vorgeschriebenen Sexualverzicht üben. Wird man gefasst, so bekommt man die geballte Gewalt zu spüren, die sich hinter der steten Unterdrückung des Lustempfindens aufstaut.“

    skeptisch bin ich da eher ob das mit dem stafgesetz da wirklich so funktioniert und wieviel wahrheitsgehalt da drin außerdem ist es doch ein wenig wiedersprüchlich wenn uwer schreibt, dass gleichgeschlechtlicher sexualverkehr geduldet wird aber gerade bei diesem die lust als das übel gilt, wenn für die sexualverkehr reine funktionalität bedeutet (als sex zwischen mann und frau zur fortplanzung) dann ist es doch gerade klar das gleichgeschlechtlicher sex nur zur lustbefreidigung vollzogen wird.
    wieauchimmer kann ich da eigentlich trotzdem keine homophoie des autors rauslesen. es ist ja nicht uwer, die gleichgeschlechtliche sexualität zur „ersatzhandlung“ macht sondern die dortigen verhältnisse, wenns denn so stimmt wie er das schreibt…

  2. Gravatar Icon 2 lysis 26. Juli 2007 um 21:10 Uhr

    äh, so ein unsinn. dann wäre heterosexualität in einer strukturell homophoben gesellschaft wie der unseren auch nur eine „ersatzhandlung“. ebenso wie man dann auch masturbation als bloße ersatzhandlung bezeichnen müsste (schließlich ist es einfacher zu masturbieren als einen geschlechtspartner zu finden).

    der ganze begriff „ersatzhandlung“ setzt die annahme voraus, dass es eine eigentliche, eine wahre sexualität gäbe, der gegenüber alles andere nur kompensation wäre. und natürlich ist diese eigentliche sexualität bei thomas uwer — wer hätte es anders gedacht — die heterosexualität!

    ob man diesen gedankengang nun als homophob bezeichnet oder nicht, eins ist er in jedem fall: heteronormativ!

  3. Gravatar Icon 3 lysis 26. Juli 2007 um 21:49 Uhr

    um es noch mal kurz auf eine andere theoretische ebene zu heben: uwer naturalisiert „homosexuelle“ zu einer präexistierenden biologischen minderheit. das ist die berühmte 10%-these von kinsey*, die mittlerweile auf eine 2%-these zusammengeschrumpft ist. wenn uwer nun sieht, dass in dem land, in dem er als entwicklungshelfer tätig ist, eine mehrheit von jungen bzw. jungen männern in gleichgeschlechtliche sexuelle praktiken involviert ist, dann interpretiert er das — vor der folie dieser kinsey-these — als eine anormalität, die allein aus der tatsache zu erklären wäre, dass sex zwischen jungen und mädchen schwieriger zu realisieren sei. gleichgeschlechtliche sexuelle praktiken werden somit in seinen augen zu bloßen ersatzhandlungen.

    was er aber niemals tun würde, ist, den blick auch einmal auf die eigene gesellschaft zu richten und zu fragen, warum dort nur 2% der männlichen jugendlichen in gleichgeschlechtlichen sex involviert sind. denn das würde bedeuten, auch einmal die machtverhältnisse zu untersuchen, in denen er selbst sich bewegt. uwer pflegt aber die haltung eines imperialen entwicklungshelfers mit kulturmissionarischem drang: er ist die norm und bei den anderen wird gemessen. und wenn die andern anders sind, dann sind sie falsch gewickelt und man muss sie korrigieren; ihnen deutsche sitte und art beibringen. das ist blütenreines imperialistisches bewusstsein. früher hätte uwer die „faulen neger“ zur arbeit erzogen. heute erzieht er die perversen kurden zur heterosexualität. so ist das halt mit entwicklungshelfern, die sich selbst und ihre lebensformen für die höchste blüte der menschlichen evolution halten.

      * kinsey selbst hat diesen quatsch nicht verbrochen, aber das ist das, was man aus ihm gemacht hat.
  4. Gravatar Icon 4 lysis 26. Juli 2007 um 22:47 Uhr

    Übrigens ist genau dies das verschworene Bündnis zwischen Islamisten und westlichen „Liberalen“, von dem Joseph Massad in seinem Buch Desiring Arabs spricht: beiden geht es um eine Heterosexualisierung der Gesellschaft und beide versuchen das dadurch zu erreichen, dass sie sexuelle Handlungen zu devianten Identitäten umformen — Identitäten, die eine „andersartige“ Minderheit von einer „normalen“ Mehrheit unterscheidbar machen sollen. Was das für die noch zu konstruierende „schwule“ Minderheit im Irak bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen! Es ist der Versuch, ihr die Hölle auf Erden zu bereiten und sie — ob gewollt oder nicht, das ist egal — zum Abschuss durch Extremisten frei zu geben.

    In diesem Sinne: sofortiger Rückzug Thomas Uwers aus dem Nordirak!

  5. Gravatar Icon 5 phex 26. Juli 2007 um 23:56 Uhr

    es hört sich bei dir so an, als würde es Heterosexualität im arabischen raum gar nicht als norm geben und nur weil der Herr Uwer das schreibt, schafft er diese.
    Wenn es dort „normal“ ist, in einer Heterosexuellen Beziehung zu leben, dies aber Jugendlichen verboten ist, und sie deshalb Gleichgeschlechtliche Beziehungen haben, kann mensch es dann nicht „ersatzhandlung“ nennen?
    Wie siehts denn mit den älteren menschen aus? 50% hetero- 50% homo-Beziehungen? Oder alle Bi? Oder gibts da Hetero und Homo gar nicht und deswegen ist dort jedem erlaubt zu tun und zu lassen was er will?

  6. Gravatar Icon 6 lysis 27. Juli 2007 um 0:12 Uhr

    Wenn es dort “normal” ist, in einer Heterosexuellen Beziehung zu leben, dies aber Jugendlichen verboten ist, und sie deshalb Gleichgeschlechtliche Beziehungen haben, kann mensch es dann nicht “ersatzhandlung” nennen?

    Ja, wenn man wie du und Uwer davon ausgeht, dass sie allein deshalb gleichgeschlechtliche Beziehungen hätten, weil sie beim anderen Geschlecht nicht zum Zuge kämen!

    Aber ich glaube, man kann die Sache genauso gut auch umdrehen, nämlich dass Jungs und Mädchen hier in Allemannia vor allem deshalb fast ausschließlich heterosexuelle Beziehungen haben, weil sie andernfalls als „abartig“ oder „homo“ gelten und sich einem wahren Martyrium unterwerfen müssten (die Suizidversuchsrate von lesbisch-schwulen Jugendlichen liegt in Berlin bei etwa 18%, in ländlichen Gegenden wahrscheinlich noch etwas höher). Und? Würdest du ihre heterosexuellen Beziehungen jetzt als Ersatzhandlungen bezeichnen? Wenn nicht, dann bist du ein Heuchler, der mit zweierlei Maß misst!

    Oder gibts da Hetero und Homo gar nicht und deswegen ist dort jedem erlaubt zu tun und zu lassen was er will?

    Erlaubt und verboten ist nicht das gleiche wie normal und anormal. Sagt Uwer nicht selbst, dass gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen im Nordirak normal, d.h. „weder ungewöhnlich noch selten“ seien? Warum fragst du mich, ob das stimmt? Ich war noch nie im Nordirak! Aber ich geh mal davon aus, dass Uwer kein Lügner ist.

  7. Gravatar Icon 7 lampeAN 27. Juli 2007 um 15:20 Uhr

    [quote comment=“1687″]äh, so ein unsinn. dann wäre heterosexualität in einer strukturell homophoben gesellschaft wie der unseren auch nur eine „ersatzhandlung“. ebenso wie man dann auch masturbation als bloße ersatzhandlung bezeichnen müsste (schließlich ist es einfacher zu masturbieren als einen geschlechtspartner zu finden).

    der ganze begriff „ersatzhandlung“ setzt die annahme voraus, dass es eine eigentliche, eine wahre sexualität gäbe, der gegenüber alles andere nur kompensation wäre. und natürlich ist diese eigentliche sexualität bei thomas uwer — wer hätte es anders gedacht — die heterosexualität!

    ob man diesen gedankengang nun als homophob bezeichnet oder nicht, eins ist er in jedem fall: heteronormativ![/quote]

    ich habs doch schon gesagt lysis: der heteronormative standpunkt wird ja von der gesellschaft hochgehalten und rechtlich unterstrichen, das sagt der uwer. dort (aber auch hier) gilt hetereosexualität als „wahre“ sexualität, da diese die funktion der fortpflanzung beeinhaltet, welche vor der befreidigung von lust zu stehen hat. problemtatisch finde ich den begriff der „ersatzhandlung“ ebenso, da solche konstantierung eben nur auf der ebene einer verallgemeinerten unterstellung funtioniert. wiederspüchlich ist doch wie gesagt, dass dort beides „verboten“ ist- gleichgeschlechtlicher sex und sex mit dem anderern geschlecht, wenn der nicht in einem bestimten rahmen vollzogen wird. wenn man als junge mit nem mädchen sex haben möchte kann man das ja genauso „heimlich“ machen wie mit nem mann… das kommt bei uwer überhaupt nicht vor…

  8. Gravatar Icon 8 lysis 27. Juli 2007 um 16:36 Uhr

    also lies dir mal die scheiße durch, die wadi e.v. — die neorassistische entwicklungshilfeorganisation von uwer und osten-sacken — in der BAHAMAS zu dem thema publiziert hat. da wird sex zwischen „muslimischen“ männern schlichtweg pathologisiert und mit mensch-tier-sodomie in eins gesetzt. ähnlich durfte man auch in der jungle world (vergangene ausgabe) von einem jüdischen, proisraelischen pornostar lesen, dass die männer, mit denen araber ficken, doch eh nur „ersatzziegen“ seien.

    mal nachgefragt: wen ficken eigentlich israelis? esel?

  9. Gravatar Icon 9 M. Möhling 30. Juli 2007 um 16:25 Uhr

    Uwer schreibt von der Situation im „kurdischen Nordirak“ und setzt den Begriff »Ersatzhandlung« in Anführung – nachdem bereits von der Haltung des „irakische[n] Recht[s]“ die Rede war, dass geprägt sei „vom arabisch-sozialistischen Geist der sechziger Jahre“, und dass alle „Lebensäußerungen, die für »Volk«, »Nation« und »öffentlichen Anstand« von Bedeutung sein könnten“ regele. Dass er sich diese Bewertung zu eigen mache, ist absurd und ergibt sich weder über Semantik noch Inhalt. Gleiches gilt für Broder: Er zählt drei Knallchargen (bis auf Silbereisen nicht unbedingt meine Einschätzung) auf und hat keinen Gedanken an einen Proporz nach sexueller Präferenz verschwendet: homophob, qed.

    Letztendlich haben Wadi und Broder ein Problem: sie sind nicht, äh, islamophil und haben mit Lysis Ideologemen zur Sexualität auch nichts im Sinn – schlimmer noch: sie beschäftigen sich nicht mal damit – da dreht mal schon mal leer vor Wut.

  10. Gravatar Icon 10 lysis 30. Juli 2007 um 21:42 Uhr

    Herr Möhling, Thomas Uwer schreibt:

    Dabei ist Sex unter Männern bzw. Jungen weder ungewöhnlich noch selten im kurdischen Nordirak. In den meisten Fällen ist er schlicht die einzig mögliche Form zwischenmenschlicher Sexualität und wird als »Ersatzhandlung« oft geduldet. Geschlechtliche, oft schon freundschaftliche Kontakte zwischen Jungen und Mädchen unterliegen hingegen einem absoluten Tabu, für dessen Bruch in der Regel die Mädchen zahlen, mitunter mit dem Leben. Die Jungen, die in Ma’ska Salam wegen »homosexueller Handlungen« einsitzen, haben meist ein anderes Tabu gebrochen. Sie haben sich entweder gegen ihre Familie gekehrt oder, was schlimmer ist, stehen unter dem Verdacht, aus Lust oder Liebe mit Jungen geschlafen zu haben.

    Dieser Absatz unterstellt, so blödsinnig er ist, dass es auf der einen Seite homosexuelle „Ersatzhandlungen“ gäbe, die „geduldet“ würden, und auf der anderen Seite die ‚wirkliche Homosexualität‘, die verfolgt würde. Jetzt möchte ich mal wissen, wie Uwer die beiden voneinander unterscheidet! Meinen Sie, es findet eine Prüfung statt, ob Jungen bzw. Männer Lust oder Liebe empfunden haben, wenn man sie bei ihrer „Straftat“ ertappt? Und warum schlafen diese Leute überhaupt miteinander, wenn sie dabei keine Lust empfinden? Fragen über Fragen.

    Eins wird aber aus dem Absatz hinreichend deutlich: in den Augen Uwers gibt es zwei Sorten „Homosexualität“ — die eine davon ist eine geduldete „Ersatzhandlung“, die andere eine verfolgte „Liebe“. Dass diese angeblich von der Gesellschaft praktizierte Trennung (deshalb die Anführungszeichen) in Wirklichkeit von niemandem als ihm selber ausgeht, wird dadurch kenntlich, dass er die beiden „Homosexualitäten“ kausal auf unterschiedliche Art und Weise herleitet: die eine entspringe allein dem Tabu, mit dem anderen Geschlecht in Kontakt zu treten; die andere sei durch wahre „Lust oder Liebe“ motiviert (und werde entsprechend geahndet).

    Diese Unterscheidung hat freilich weniger etwas mit der Realität zu tun als mit dem Denken von Uwer, der gemäß der psychopathologischen Tradition von Krafft-Ebing zwischen „echter“ (d.h. angeborener) und sog. Pseudo-Homosexualität differenziert. Mit dieser Schablone legt sich Uwer die Welt im Nordirak zurecht, ohne uns zu verraten, wie denn die kurdische Gesellschaft diese ihr von Uwer per Quasi-Zitat in den Mund gelegte Trennung faktisch operationalisiert. Findet etwa eine Befragung statt, bevor man die Leute einsperrt, um ihre innersten Motive zu erkunden und entsprechend ihrer sozialen Anrüchigkeit zu bewerten? Oder ist es nicht einfach eine Projektion Uwers, der ja offenbar keine große Anstalten macht, wenn es darum geht, die Gesellschaft des Nordirak massenpsychologisch zu deuten?

    Machen wir es doch nicht komplizierter, als es ist. Natürlich ist diese Trennung eine Projektion. Uwer kann nicht aufzeigen, wie diese Trennung real vonstatten gehen sollte, und daher sitzt sie ausschließlich in seinem Kopf. Man erfährt, wenn man den Absatz liest, mehr über Uwer selbst, seine Vorurteile und anthropologischen Prämissen, als über das Objekt, das er angeblich studiert. Und wer das nicht erkennt, dem mangeln offenbar die nötigen textkritischen Instrumente.

  11. Gravatar Icon 11 Serdar 31. Juli 2007 um 23:32 Uhr

    @Möhling
    Wenn ich jetzt noch herausfinden könnte was islamophil zu sein mit Dirk Bach oder von Sinnen zu tun hat?
    Also wenn Lysis‘ Kritik Symptom für Islamophilie ist, dann ist Uwers für islamophobie oder denken sie immer bei Irakern gleich an Musels?

  12. Gravatar Icon 12 M. Möhling 02. August 2007 um 0:15 Uhr

    > Und wer das nicht erkennt, dem mangeln offenbar
    > die nötigen textkritischen Instrumente

    Das hat keinen Zweck – erinnert mich an Sarkozy, der bei dir partout als „fasciste“, und nicht als „juif“ bezeichnet wurde – weil’s zu Gunsten deiner Schützlinge halt nicht sein darf. Grotesk, wie man sich bei den üblen Zionisten der UPJF in aller Ausführlichkeit überzeugen kann – und auf youtube in aller Kürze (ca. 2 sec, einfach öfter mal auf replay drücken – ja, ganz recht: mein Werk). Genauso könnten wir uns bis in alle Ewigkeit über den Sinn von Anführungszeichen streiten.

    In jungen Jahren war ich mal bei einem Parteitag des KBW – die Jungs konnte ich auch damals nicht davon überzeugen, dass der Großdammbau mit Hacke und Bastkörbchen in demokratischen Kamputschea reaktionäre Kacke war. Gegen irr leuchtende Augen ist nicht anzukommen. Wie ich sehe, stammen die meisten Kommentare zu deinen Beiträgen mittlerweile von dir selbst, da sollte ich mir die Mühe vielleicht ohnehin sparen.

  13. Gravatar Icon 13 lysis 02. August 2007 um 3:50 Uhr

    Wie du jetzt vom Nordirak auf „Juden“ und „Zionisten“ kommst, bleibt mir unerklärlich. Muss wohl eine deutsche Manie sein.

  1. 1 Homonationalismus, Jungle World und Judith Butler « rhizom Pingback am 04. August 2010 um 0:23 Uhr
  2. 2 Sex, Lügen und Huntington « rhizom Pingback am 12. August 2010 um 16:28 Uhr
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