Kelek und die Mullahs: ein Herz und eine Seele

Der „islamkritische“ Blogger cliff cosmos ist schon ein komischer Vogel. Gerade eben zitierte er noch einen Hassartikel von Necla Kelek, in dem Sex zwischen Männern und Jugendlichen in muslimischen Ländern kurzerhand mit „Knabenvergewaltigung“ gleichgesetzt wird, schon führt er einen Beitrag später die International Gay & Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) an, die genau die gleiche Einstellung den iranischen Mullahs zum Vorwurf macht:

In der iranischen Gesetzgebung – und nach Meinung vieler Iraner – ist Homosexualität mit Vergewaltigung, Inzest und Kindesmisshandlung gleichgesetzt […]

Aber den naheliegenden Schluss, dass Kelek und der staatlich-repressive Feminismus, den sie verkörpert, in dieser wie in so vielen anderen Fragen eines Sinnes mit den Mullahs sind, zieht cliffi nicht. Dabei könnte man aus diesem Vergleich einiges lernen. Zum Beispiel über die ungewollte Kollaboration von Islamisten und westlichen „Liberalen“ bei der Heteronormierung der Welt.


4 Antworten auf “Kelek und die Mullahs: ein Herz und eine Seele”


  1. Gravatar Icon 1 narodnik 01. August 2007 um 18:35 Uhr

    Mal was zum super-säkulären Israel:

    Auch die orthodox-rabbinische Frauenverachtung und Frauenunterdrückung gleicht der islamistischen (natürlich auch der traditionell christlichen und überhaupt der patriarchalen und krisenideologisch neo-patriarchalen in der ganzen Welt) aufs Haar. In den strenggläubigen Gemeinden ist die misogyne Haltung auch praktisches Alltags­gesetz, das sich als Reif auf die individuellen Liebesbeziehungen legt, wie etwa der beklemmende Film „Kadosh“ von Amos Gitai zeigt. Und qua institutioneller Macht dehnt sich dieses pseudo-archaische Alltagsgesetz der Frauenunterdrückung in viel­fältiger Weise auf das säkulare israelische Leben aus.

    Dasselbe gilt für die damit eng zusammenhängende Schwulenverachtung und Schwulenverfolgung, die von den ultra-orthodoxen Gläubigen genauso ausstrahlt wie von den säkularen Rassisten der „Sows“. Zu den gehässigen Angriffen der Ultras auf Rabin vor dem politischen Mord gehörte immer wieder der Slogan „Rabin ist ein Homo“ (Karpin/Friedman, a.a.O., 113). Dieselbe militante Homophobie wie bei den Islamisten findet sich nicht nur bei den israelischen Ultras, sondern auch bei ihren Unterstützern und Vordenkern in der jüdischen Diaspora, nicht zuletzt in den USA, wo sie in den jüdischen Gemeinden äußerst umstritten sind. So unterstützte der rechts­radikale New Yorker Rabbiner Abraham Hecht (ein Held auch der israelischen Rech­ten) die Wahl des später durch drakonische Maßnahmen gegen die Armen bekannt gewordenen Bürgermeisters Giuliani mit antischwulen Hetztiraden: „Als er sich 1989 für Giuliani einsetzte, verkündete er, sein Kandidat werde in einer von Übeln wie vorehelichem Sex, Abtreibungen und homosexuellen Verbrechen (!) korrumpierten Stadt endlich aufräumen, und er unterstützte (wie der örtliche Ku-Klux-Klan) die milde Bestrafung eines Mörders durch einen texanischen Richter, weil dessen Opfer nach dem Wort des Richters .Schwuchteln‘ waren“ (Karpin/Friedman, a.a.O., 220).

    Aus: Robert Kurz – Der Nahe Osten und das antisemitische Syndrom [Weltordnungskrieg]

  2. Gravatar Icon 2 lysis 01. August 2007 um 19:30 Uhr

    Ja schön ist doch auch, dass im Zusammenhang mit der Schwulenverfolgung in islamischen Ländern immer wieder Israel als leuchtendes Gegenbeispiel zitiert wird — als der einzige Staat im Nahen Osten, in dem Schwule frei leben könnten.

    Dass aber Israel, anders als andere westliche Staaten, noch nie auch nur einem einzigen arabischen Schwulen Asyl gewährt hat, ja dass der israelische Folter-Geheimdienst Shin Bet palästinensische Schwule regelmäßig in Todesgefahr bringt, indem er sie zur Kollaboration erpresst, wird da mal schnell unter den Teppich gekehrt. Zitat Economist:

    But despite relatively progressive laws, says Yoav Sivan, a young Israeli gay activist, Israel’s liberalism is more selective than its politicians make out. Over the past 12 years some 60 gay Palestinians have asked the Aguda for help getting asylum because their lives are in danger back home. Hardly a flood—but Israel has not granted one request. Nor will it give residence permits to those with steady Israeli partners, as it routinely does to its citizens‘ same-sex partners from other countries. At best, says the Aguda, it lets the Palestinians stay a while to seek refuge elsewhere.

    […]

    Israel does give asylum to Palestinians whose lives are at risk—for collaborating with Israel’s Shin Bet intelligence service. And sometimes the Shin Bet blackmails gay Palestinians into working for it by threatening to expose them—as does Palestinian intelligence, for that matter. So Palestinians known to be gay are invariably suspected of being collaborators too—which puts them in even greater danger.

    Was soll also die Erwähnung Israels in Cliff Cosmos‘ Beitrag? Ist das ein Tourismus-Blog, der darüber Auskunft gibt, in welchem Land man als westlicher Schwuler am sichersten Urlaub machen kann? Oder was soll diese Protzerei sonst angesichts der Tatsache, dass Israel arabischen Schwulen bislang jegliche Hilfe verweigert und sie sogar noch zusätzlich in Gefahr gebracht hat?

  3. Gravatar Icon 3 tobias 02. August 2007 um 13:52 Uhr

    Was soll eigentlich „krisenideologisch neo-patriarchale“ Frauenunterdrückung sein?

  4. Gravatar Icon 4 narodnik 02. August 2007 um 15:29 Uhr

    @ tobias

    Das meint die verschärfte patriarchale Repression im Zusammenhang mit auseinanderfallenden Gesellschaften; sei es bei den PalästinenserInnen der Konflikt zwischen säkulärer Volksfronten gegen die Hamas oder in Israel die nationalreligiösen und die säkulären ZionistInnen. Alles vor dem Hintergrund der „Krise“.

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