Orthodoxe Kirche sucht Kontakt zum Staat

Putin und Patriarch Alexej (365gay.com) Die in ihrer Macht erstarkende russisch-orthodoxe Kirche versucht, Einfluss auf das staatliche Bildungswesen zu nehmen, um ihre antiaufklärerischen Positionen stärker in der Gesellschaft zu verankern.

So beschuldigte ein Sprecher der Kirche, Vater Vsevolod Chaplin, die führenden Wissenschaftler Russlands, dem Schulsystem die „Ideologie der Wissenschaft“ aufzuzwingen. „Der wissenschaftliche Standpunkt kann keine Staatsideologie sein“, erklärte er nach einem Runden-Tisch-Gespräch zwischen Klerikern und Wissenschaftlern. „Er hat nie irgendjemanden glücklich gemacht und scheitert daran, fundamentale Fragen der menschlichen Existenz zu beantworten.“

Neben einem Angriff auf die „wissenschaftliche Weltanschauung“ geht es auch um die weitere staatliche Verbreitung von Homophobie. Lehrer sollten Schülern beibringen, nicht dem lasterhaften Beispiel von „Homosexuellen und Prostituierten“ zu folgen. „Wir müssen ihnen einen unglücklichen Homosexuellen in seinen Vierzigern und eine alternde Prostituierte zeigen“, so Chaplin weiter. „Andernfalls werden sich unsere Kinder in 30 Jahren in Tiere verwandeln, die vom Kult des Glamours und der Ausschweifung beeinflusst sind.“

Die Kirche solle wieder eine führende Rolle dabei spielen, die moralischen Standards für die Jugend zu bestimmen. Und es ist der Staat, über den die orthodoxen Fundis dieses hochgesteckte Ziel erreichen wollen. „Wir sind bereit, einen Teil unseres Lebens unter die Kontrolle der Regierung zu stellen“, verkündete Theologie-Professor Andrej Kurajev in der Hoffnung, die alten Bande zwischen Staat und Kirche wieder neu beleben zu können. „Die Kirche hat schon zu lange ohne Zensur leben müssen.“

Erste kleine Erfolge sind schon jetzt sichtbar. So wird ab nächstes Schuljahr neben Mathematik und Physik zur ergänzenden religiösen Verblödung das Fach „Orthodoxe Christliche Kultur“ angeboten. Die Teilnahme soll allerdings freiwillig sein.


2 Antworten auf “Orthodoxe Kirche sucht Kontakt zum Staat”


  1. Gravatar Icon 1 leftqueers 18. August 2007 um 16:53 Uhr

    Ich frage mich manchmal ernsthaft, was das soll.

    Da wurde vor vier Jahren in Gifhorn eine Russisch-Orthodoxe Kirche eröffnet und niemand nahm daran anstoß.

    Soll aber irgendwo in diesem Land eine Moschee gebaut werden, dann schrecken selbst so genannte Volksparteien nicht davor zurück, sich Rechtsextremen vokabular zu bedienen und die Menschenrechtsverstöße in den muslimischen Staaten aufzuzählen.

    Ähm, was steht noch gleich in Artikel 4 der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland?

  1. 1 Ahmadinedschad frisst kleine Kinder! | Herbst in der Seele Pingback am 30. August 2007 um 19:07 Uhr
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