Sind Schwule reich? Oder sind Reiche schwul?

Schwule Medien haben ein kommerzielles Interesse daran, die deutschen Zustände schönzufärben. Wer es versteht, seine Kunden als reich, konsum­freudig und sexy, kurz: als gesellschaftliche „Trendsetter“ zu präsentieren, der kann auch darauf hoffen, dass große Unternehmen bei ihm künftig ein paar Anzeigen mehr schalten. Was zählt, ist das Geschäft. Deshalb führte TNS Emnid bereits 2001 im Auftrag von Eurogay.de eine aufgrund ihrer Repräsentativität ziemlich teure Umfrage durch, die zweierlei belegen sollte: schwule und bisexuelle Männer sind akzeptiert und sie

sind die besseren Käufer, die Experten in Sachen Lifestyle und beeinflussen Kunst und Kultur. Sie sind Trendsetter, konsum­orientiert und haben Geld.

Mit der gesellschaftlichen Anerkennung war es freilich der Umfrage zufolge nicht ganz so weit her, auch wenn das Unternehmen dies eifrig zu kaschieren versuchte. Zwei Drittel der deutschen Männer betrachteten Homosexualität als eher oder sehr negativ, und nicht weniger als vier Fünftel gaben an, dass sie Probleme mit einem eigenen lesbischen oder schwulen Kind hätten. In der offiziellen Presseerklärung kehrte man das lieber unter den Teppich und berief sich stattdessen auf die positiven Seiten der Studie — etwa darauf, dass 95% der befragten Bundesbürger eine berufliche Diskriminierung von Homo­sexuellen ablehnten.

Trotzdem stellte sich das Homo-Dasein immerhin als so unsexy heraus, dass zwar 9,4% der Männer und 19,5% der Frauen zugaben, sich vom eigenen Geschlecht erotisch angezogen zu fühlen, aber nur 1,3 bzw. 0,6% sich als schwul bzw. lesbisch und 2,8 bzw. 2,5% als bisexuell definieren wollten. Doch die Studie fand noch etwas heraus: diejenigen, die ihre Identität als „homo-“ oder „bisexuell“ angaben, waren tatsächlich über alle Maßen reich, gebildet und konsumfreudig.

Diesen Befund bestätigt nun auch eine Umfrage, die in den USA durchgeführt wurde und vom schwulen Internet-Portal queer.de gläubig rezipiert wird:

US-amerikanische Schwule haben ein um rund 80 Prozent höheres Haushaltseinkommen als Heteros. Das ist eines der Ergebnisse einer umfassenden Studie von Community Marketing, für die das Unternehmen 25.000 Schwule und Lesben befragte. Demnach liegt das durchschnittliche Haushaltseinkommen für Schwule bei rund 7.000 Dollar pro Monat (das entspricht zurzeit 5.150 Euro). Das durchschnittliche US-Haushaltseinkommen liegt bei 3.850 Dollar.

Die sozialwissenschaftliche Erklärung dürfte freilich etwas weniger erfreulich sein, als es schwule Medien in ihrem essentialistischen Wahn gern wahrhaben wollen. Sie lautet nicht: Lesben und Schwule sind intelligent, strebsam und daher „fit for life“. Sie lautet: Wer arm ist, kann sich eine „anormale“ Identität einfach nicht leisten. Sich als „schwul“ oder „lesbisch“ zu definieren und so einen bewussten Bruch mit seiner Umwelt in Kauf zu nehmen, setzt eine gehörige Portion individueller Unabhängigkeit voraus, die Arbeiter_innen, Migrant_innen und Schwarze aufgrund ihrer tieferen Verstricktheit in familiäre und kollegiale Verhältnisse nur selten aufbringen. Diesen Leuten bleiben bestenfalls double lives on the Down Low — nicht anders als der verarmten, ländlichen Mehrheit innerhalb des kapitalistischen Weltsystems, die niemals in ihrem Leben die Chance erhalten wird, an der kommerziellen Bar- und Partykultur jener kleinen bourgeoisen Oberschicht zu partizipieren, deren konsumistische Interessen — und deren politisch-ideologische Weltsicht — schwule Online-Medien wie Eurogay und queer.de mit jedem neuen Beitrag reproduzieren.


3 Antworten auf “Sind Schwule reich? Oder sind Reiche schwul?”


  1. Gravatar Icon 1 raketenprinz 22. August 2007 um 8:22 Uhr

    danke. dieser homos-sind-die-besseren-konsumenten-quatsch ist so dermaßen widerlich. anbiedernd und inhaltlich falsch. es zeigt nur, dass finanzielle unabhängigkeit zu geringerem normenzwang führt. das verleugnen der eigenen sexualität der unterschicht findet seine entsprechung in der oberschicht in dem bekenntnis zu den normen und statussymbolen. den anpassungszins zahlen beide.

  1. 1 die anderen < THING IS: PHEERCE Pingback am 21. August 2007 um 21:43 Uhr
  2. 2 Und noch ein Link. « bergkind Pingback am 21. Mai 2011 um 1:18 Uhr
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