Archiv für Oktober 2007

Locked up in the land of the free

Genarlow Wilson, Opfer des faschistoiden Justizsystems in den USA, das ihn als 17-Jährigen für einverständlichen Oralverkehr mit einer 15-Jährigen zu zehn Jahren Haft verurteilte, ist nach vier Jahren im Loch endlich wieder frei!

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Zwei super Filme binnen zwei Tagen:

Sugar (OmU) Ethan Mao (OmU)
Und das aus meiner Prolo-Videothek!

Mit Islamophobie contra Homophobie?

„Rausch und Religion“, so der Schwerpunkt der neuen Arranca, in der sich ein Artikel u.a. auch dem Verhältnis von Islamophobie und Homophobie widmet:

Im klassischen Arabisch gibt es kein Wort für „Schwuler“ und trotzdem ist es keine Übertreibung zu behaupten, dass wohl nahezu die Hälfte aller klassischen arabischen Liebesgedichte von männlichen Autoren für Personen ihres eigenen Geschlechts verfasst wurden. Dies galt selbst den Frömmlern nicht als anrüchig – auch wenn sie den Akt des Analverkehrs für eine schwere Sünde hielten. Als der marokkanische Gelehrte Muhammad al-Saffar in den 1840er Jahren Paris besuchte, stellte er verwundert fest: „Tändeleien, Romanzen und Umwerbungen finden bei ihnen [den Franzosen] nur mit Frauen statt, denn sie tendieren nicht zu Knaben oder jungen Männern. Vielmehr gilt ihnen das als extrem schändlich.“

Von da betrachtet erscheint es wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet arabische und türkische Muslime heute dafür herhalten müssen, Europäer_innen eine Selbstrepräsentation als tolerante Anwält_innen der „Homosexuellen“ zu ermöglichen, die sie in einem jahrhundertelangen Normalisierungsprozess doch überhaupt erst als distinkte „Minderheit“ produziert und ausgesondert haben.

(Den ganzen Artikel lesen …)

Dazu passend ein aktueller Veranstaltungshinweis:

Der „homophobe Moslem“ — eine deutsche Vedrängungsleistung

Im „Muslim-Fragebogen“, den die baden-württembergische Landesregierung 2005 entwickelte, wird die Toleranz gegenüber Homosexuellen zu jenen „westlichen Werten“ gezählt, die man von muslimischen EinwanderInnen potentiell bedroht sieht. Das überrascht – gerade aus dem Munde der CDU, die nach dem Krieg nicht einmal davor zurückschreckte, den „Homosexuellenparagraphen“ 175 in seiner verschärften Nazi-Fassung zu übernehmen, um das Lebensglück zehntausender Schwuler systematisch zu zerstören. Eine kollektive Amnesie scheint sich über die Geschichte der Homophobie in Deutschland und dem Westen ausgebreitet zu haben.

Doch auch die Wahrnehmung der Gegenwart ist davon affiziert. So heißt es in Punkt 29 des Muslim-Fragebogens: „Stellen Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?“ Vermutlich nicht anders als 80 Prozent der deutschen Männer, die in einer repräsentativen Emnid-Umfrage von 2001 angaben, sie hätten „Probleme mit einem eigenen lesbischen oder schwulen Kind“.

Dass es sich bei dem Diskurs über „homophobe Moslems“ um einen einzigartigen Verdrängungsakt handelt, in dem sich die deutsche Gesellschaft nicht nur ihrer Vergangenheit, sondern auch der Wahrheit über ihre Gegenwart entledigt, darum soll es an diesem Abend gehen.

Termin: Di, 06.11.2007, 18:00 Uhr
Ort: Halle, Melanchthonianum, HS C

Replik auf Samuel Laster

Der Chefredakteur der Online-Zeitung „Die Jüdische“ hat freund­licherweise meine Kritik an den verfehlten Angriffen auf Joseph Massad, einen palästinensisch-amerikanischen Autor und Professor an der New Yorker Columbia-Universität, einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, wenngleich seine Intention wohl eher darin bestanden haben dürfte, mich zurechtzuweisen. Schon im ersten Absatz zeiht Samuel Laster mich der „haarspalterischen Auslegung“, wo es doch dem von mir angegriffenen Journalisten Karl Pfeifer nur um eine sachliche Ausein­andersetzung ging, als er Massad vorwarf, „gegen die Menschen­rechte von Homosexuellen in der arabischen Welt“ zu sein. Ich dagegen erkannte darin nichts als billige Polemik, die von einer augenscheinlichen Überforderung durch Massads Text zeugt.

Kurz zur Erinnerung: Massad hatte in einem Artikel aus dem Jahr 2002, der sich auch in seinem neuen Buch Desiring Arabs wiederfindet, kritisiert, dass ein Konglomerat internationaler Lesben- und Schwulenorganisationen „zu Diskursen über Homosexuelle anreizt, wo vorher keine existierten“ und damit eine Menschensortierung vorantreibt, deren Endeffekt nicht etwa die von ihr erhoffte „Schaffung eines queeren Planeten, sondern die eines Hetero-Planeten“ sein würde. (mehr…)

Jungle-Debatte zur Liebe

die platonische Liebe als Kommunismus: Liebe ohne Staat und Herrschaft