Intellektuelles Kuscheln mit Dr. Christine Baumanns

„Darum lieben Frauen Frauen“, weiß „Bild-Online“, das Fachblatt fürs Untenrum, und hat dafür mal bei „Sexualpsychologin Dr. Christine Baumanns“ nachgefragt, die ein wenig aussieht wie eine Kreuzung aus Dolly Buster und einer Brille — plus den irren Blick von Nina Hagen — und auch genauso spricht:

Bei manchen Lesben ist das ganz klar genetisch festgelegt. Sie verlieben sich von Anfang an immer nur in Frauen,

fantasiert die Dame sich verliebte Säuglinge, abgeschottet von jedem sozialen Einfluss, zurecht, um dann gleich den wahren Grund für das weitverbreitete Lesbentum nachzuschieben:

Viel häufiger ist aber eine große Enttäuschung mit einem Mann der Auslöser. Die Frau wendet sich bewusst von den Männern ab und findet erfüllende Liebe bei einer Frau.

Anne Will, das neueste Opfer der grassierenden Seuche, wird sich freuen, das zu hören: nicht die Gefühle für ihre Freundin, sondern die enttäuschten Gefühle für einen ehemaligen Liebhaber sind der Grund für ihre Verirrung! Frau Baumanns stellt damit die Liebe unter Frauen ganz diskret in ein männliches Licht, denn Männer, das hat sie u.a. von „Bild“ gelernt, haben eben die Hosen an und müssen immer und überall im Mittelpunkt stehen. Deshalb wird lesbische Liebe auch anschließend sofort unter dem Gesichtspunkt des Unterschieds von der normalen heterosexuellen Liebe wie folgt beschrieben:

Es geht mehr um Befriedigung für die Seele als um körperliche Befriedigung. Frauen sind einfach einfühlsamer als Männer. Und wenn bei einer Frau der Hunger der Seele größer ist als der Hunger des Körpers, gibt ihr die lesbische Beziehung mehr.

Der übliche Alltagssexismus plus ein wenig differenzfeministischer Wahnsinn davon, wie unglaublich „einfühlsam“ Frauen von Natur aus halt seien, und prompt wird das banale Gefühl des Verliebtseins zu einem „Hunger der Seele“ nach dem „mehr“, das ein Mann — vermutlich, weil er einen Penis hat — völlig außerstande ist zu geben.
Trotzdem sind auch Lesben ganz normal! Denn auch bei ihnen gibt es „einen Mann und eine Frau“, wie Frau Baumanns ausführt:

Es ist wie in jeder Beziehung: Eine ist immer die Stärkere, die Dominante, die andere lässt sich dominieren, ist weiblicher, ordnet sich unter.

Mal abgesehen von der Frage, ob ein Großteil der „romantischen Zweierbeziehungen“ unter Erwachsenen nicht tatsächlich so funktioniert, einfach weil das Zweigeschlechtersystem, auf dem diese Gesellschaft basiert, uns ein solches Muster nahelegt, muss man doch feststellen, wie perfide hier eben jenes System mal wieder gestützt und reproduziert wird: 1. gibt es nur „männlich“ und „weiblich“, 2. ist „weiblich“ auch noch die Rolle, die sich unterordnet, was mangels sozialwissenschaftlicher Erklärung hier als Naturtatsache erscheint. So funktioniert Sexismus.

Sexismus? Heißer Sex! Denn „Bild“ wäre nicht „Bild“, wenn es nicht zum Schluss noch einmal genüsslich unter die Bettdecke schaute: „Was passiert beim Sex?“, will man geifernd wissen und hat damit eines gemein mit dem wahnsinnigen Franz Josef Wagner, dem zum Outing Anne Wills nur folgendes einfällt:

Ich gestehe, ich guckte mehr auf Ihren Busen als auf Ihre Worte. Nach Ihrem Outing muss ich nun lernen, geistig, intellektuell mit Ihnen zu kuscheln. Ich will es versuchen.

Da kann man dann nur noch „viel Erfolg“ wünschen.


7 Antworten auf “Intellektuelles Kuscheln mit Dr. Christine Baumanns”


  1. Gravatar Icon 1 iamat 06. Dezember 2007 um 11:27 Uhr

    Dr. Christine Baumanns hat nicht Recht.

    ich bin mitverantwortlich (SCHULD) daran, dass die Frauen SO SEHR frustriert sind, dass sie in das teiefe, schwarze Loch der Homo-Hölle fallen? Das muss ein schreckliches Trauma für all die Lesben da draußen sein. Würde es keine Männer geben, wären sie also alle Hetero(?).

    Frau Dr. Christine Baumanns, ich werd schwul!

  2. Gravatar Icon 2 Anne 27. Januar 2008 um 18:39 Uhr

    Meine ganze Liebe galt schon in der Vorpubertät und bis heute den Frauen. Das fand ich schon immer ganz normal. Mich in ein männl. Wesen zu verlieben, auf diese Idee kam ich gar nicht, denn ich bin ja nicht Bisexuell. Wobei – lose Freundschaften mit netten Männern gab es schon. Von verirrten Gefühlen kann da keine Rede sein, auch nicht von schrecklichen Enttäuschungen mit dem männl. Geschlecht. Homosexualität ist ein Produkt der Natur genau so wie Bisexualität oder Heterosexualität. Nur die sog. lieben `Normalos` machten/machen Probleme daraus und suchen krampfhaft nach Erklärungen für ihre Heterosexualität! :)

  3. Gravatar Icon 3 afafaf 29. Januar 2008 um 23:16 Uhr

    Kennst du „Die heilige Jungfrau der Mörder“ von Fernando Vallejo? Der schreibt, mit einer Frau zu schlafen käme ihm vor, wie mit einer anderen Tierart zu schlafen.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 30. Januar 2008 um 3:54 Uhr

    Entschuldige, aber das ist übelster Sexismus!

  5. Gravatar Icon 5 Anne 30. Januar 2008 um 13:38 Uhr

    @ afafaf
    Danke, diesen Beitrag kann ich gut gebrauchen zum Thema `Sexismus` eines heutigen Neandertalers.

  6. Gravatar Icon 6 afafaf 30. Januar 2008 um 17:31 Uhr

    Wohl eher Speziesismus, oder?

  7. Gravatar Icon 7 lysis 30. Januar 2008 um 18:01 Uhr

    Einigen wir uns auf Dummheit.

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