Dass der Spiegel-Journalist Henryk M. Broder seit einigen Jahren zu äußerst skurrilen Ansichten neigt, wissen wir ja schon länger. Aber dass er jetzt auch noch unkommentiert eine Interviewpassage des Rechtspopulisten Geert Wilders verbreitet, in der sich dieser zu der Aussage versteigt, Schwulenklatschen sei eine von den Moslems nach Amsterdam importierte Unart, welche unter Christen völlig unbekannt wäre, toppt nun wirklich alles.
Dabei können die Niederländer mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, diesen im 20. Jahrhundert globalisierten Volksbrauch gleichsam erfunden zu haben, ereignete sich der erste in den Annalen der Weltgeschichte dokumentierte Fall von „queer bashing“ doch ausgerechnet in der Stadt Groningen. Dem Opfer Christiaan Kip wurde 1749 von einem rasenden Mob Arm und Bein gebrochen. Ein halbes Jahr später wurde er von der Bevölkerung an die Behörden denunziert und vermutlich nach Landessitte mit einem Halseisen erdrosselt oder in einem Fass ertränkt.
Die „tolerante Tradition“ der Niederlande ist eine historische Fiktion, war die Legalisierung von „Homosexualität“ in diesem Staat doch nie und nimmer eine aus eigenen Stücken erbrachte Leistung, kein Akt der revolutionären Selbstaufklärung wie in Frankreich, sondern ist dem heimischen Bündnis aus Mob und Elite, das es bis heute noch zu keinem einzigen Königssturz gebracht hat, durch den Einmarsch der napoleonischen Armeen im Jahr 1810 gewaltsam oktroyiert worden. Selbst die Aufarbeitung ihrer üblen Vergangenheit aus Rassismus, Kolonialismus und Schwulenhass muss den pseudoliberalen Niederländern daher von außen widerfahren, wie die von einem südafrikanisch-kanadischen Filmteam besorgte und in den Niederlanden leider undenkbar scheinende Koproduktion Proteus aus dem Jahr 2003 eindrucksvoll belegt.
Übrigens: die Mehrheit der Schwulenklatscher in Amsterdam sind — selbst den aus rassistischer Motivation gepflegten Ethno-Statistiken zufolge — noch immer protestantische Niederländer, Herr Broder, Leute wie der arische Superblondie Geert Wilders, der marokkanischen Jugendlichen eine ähnliche Behandlung empfiehlt, wie sie sich die Nationalsozialistische Partei der Niederlande (NSB) im Jahr 1941 für 81 jüdische Jungen hatte einfallen lassen. Für Sie, leider Gottes, längst kein triftiger Grund mehr, sich von Wilders fern zu halten!

Als interessant wäre an dieser Stelle anzumerken, das es ähnliche Hetzkampagnen ausser denen eines gewissen Broder schon seit längerem in Deutschland gibt.
So hatte doch auch ein selbsternannter „Islamkritiker“ mal mit Worten wie „Pinguine“ um sich geworfen, einer der selbst ganz genau wissen müßte, was die Herabwürdigung durch Tiernamen für Menschen bedeutet. Dummerweise scheint er vergessen zu haben, wie im 3.Reich Juden genannt wurden.
Aber ein wenig alzheimer soll ja in fortgeschrittenem Alter bei so manchem vorkommen.
Zumindest noch so viel zum Thema Broder:
http://s220165578.online.de/2008/04/03/broder-hetzt-wieder/
http://s220165578.online.de/2008/04/01/indoktrinierung-statt-bildung/