Zuvorderst homophob

Für Schüler_innen von heute gibt es nichts Schlimmeres, als schwul zu sein. So könnte man eine neue Studie der britischen Lehrergewerkschaft ATL zusammenfassen, die nach den häufigsten Beleidigungen auf englischen Schulhöfen suchte. Das Ergebnis als Rangliste: Gay (83%), Bitch (59%), Slag (45%), Poof (29%), Batty boy (29%), Slut (26%), Queer (26%), Lezzie (24.8%), Homo (22%), Faggot (11%) und Sissy (5%). Sieben davon haben die Bedeutung „schwul“ respektive „lesbisch“, drei die Bedeutung „Nutte“ oder „Schlampe“, und eines verweist auf männliche Gender-Nonkonformität.


4 Antworten auf “Zuvorderst homophob”


  1. Gravatar Icon 1 Sascha 06. April 2008 um 20:57 Uhr

    An deutschen Schulen sieht es nicht anders aus. Der bedeutende Unterschied besteht darin, dass sich Politik und Gesellschaft in Großbritannien dafür interessieren und Gegenmaßnahmen im Sinne einer umfassenden Antidiskriminierungs- und Diversity-Politik in den Schulen zu ergreifen beginnen. In Deutschland hingegen wird die Vielfalt sexueller Identitäten aus der ohnehin minimalen schulischen Sexualerziehung und -aufklärung weiterhin konsequent ausgegrenzt. Dabei belegen auch zahlreiche sozialpsychologische Studien, wie wichtig Information und Unterstützung für junge, homosexuell empfindende Menschen in dieser Altersgruppe sind. Wirkliche Gleichberechtigung werden wir erst dann erreicht haben, wenn ein Junge auch schon im Pubertätsalter (und nicht erst nach Jahren des inneren und äußeren Kampfes mit seinem „Coming Out“) ebenso selbstverständlich Hand in Hand mit seinem Freund auf dem Schulhof und auf der Straße gehen und herumknutschen und ihn mit nach Hause bringen kann, wie das bei jungen Heterosexuellen ganz selbstverständlich der Fall ist. Homophobie ist nicht nur dort, wo Homosexuelle offen angefeindet werden, sondern auch dort, wo andere sexuelle Orientierungen und Identitäten als die heterosexuelle konsequent ignoriert werden. Und eben daran müssen wir etwas ändern.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 06. April 2008 um 22:39 Uhr

    Wenn eine Junge auch schon im Pubertätsalter „selbstverständlich Hand in Hand mit seinem Freund auf dem Schulhof und auf der Straße gehen und herumknutschen“ könnte, hätte er vermutlich keinen Bedarf nach deinen marginalisierenden Identitätsangeboten mehr.

  3. Gravatar Icon 3 Sascha 07. April 2008 um 17:10 Uhr

    Irrtum, @lysis:

    Er kann es ja nur deswegen nicht, weil er in seinem homosexuellen Empfinden von der Gesellschaft allein gelassen wird, d.h. keine positive Unterstützung im Prozess der Selbstakzeptanz erfährt, hingegen aber die immer noch massive Diskriminierung und Sanktionierung von Homosexualität seitens der Gesellschaft antezepiert. Schließlich wird jedem in dieser Gesellschaft vom ersten Atemzug an unterstellt, er habe gefälligst heterosexuell zu sein. Diesen Status quo der (massiven) Heteronormativität können wir ganz sicher nicht verändern, wenn wir ihn nicht in aller Deutlichkeit ansprechen und jungen Menschen so früh wie möglich vermitteln, menschliche „Normalität“ nicht gleich Heterosexualität ist, sondern in der Vielfalt unterschiedlicher, aber gleichwertiger Identitäten liegt. Das muss für junge Menschen in ihrem sozialen Umfeld ganz bewusst und konkret erfahrbar sein, und das erreichen wir ganz bestimmt nicht dadurch, dass wir die Sexualität, die Liebe und die partnerschaftlichen Beziehungen von Menschen als „unwichtig“ diffamieren und auf „das bisschen Genuss im Schlafzimmer“ reduzieren.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 07. April 2008 um 18:59 Uhr

    Was du mit deinen Identitäten hast, das ist mir echt schleierhaft. Das scheint bei dir so eine Art Besessenheit zu sein. Und wo ich irgendwas als „unwichtig“ „diffamiert“ hätte, bleibt ebenfalls dein Geheimnis.

    Immerhin ist es mir so wichtig, dass ich hier einen Blog zu dem Thema mitbetreibe!

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