Offen für alle? Auch fürs BKA? Und trotzdem links und queer?

Am 22.03.08 gab es im Ackerkeller eine Party von „TransInterQueer“. Wieder einmal war auch ein bereits bekannter Beamter des Bundeskriminalamts anwesend. Auf Nachfrage ergab sich, dass diese „Offenheit für alle“ mit dem Ackerkeller-Team abgesprochen war. Daher verließen einige Queers die Party.

Seit ca. einem Jahr gibt es einen Konflikt um einen BKA-Beamten, der sich aus privatem Interesse in der Trans- und Queer-Szene bewegt. Nachdem die Situation im Oktober durch eine erstmals öffentliche Ausschlussforderung auf einer Party eskalierte, gab es mehrere öffentliche Diskussionsveranstaltungen. Auf diesen wurde von uns und anderen versucht, die grundsätzliche Kritik an der Polizei, die drohende Kriminalisierung von Menschen durch das BKA und die Unvereinbarkeit linksradikaler Politik mit der Offenheit gegenüber Polizisten zu erklären. Viele Gruppen und Personen wollen jedoch grundsätzlich die Positionen von Transgendern stärken und bei dieser „Lobbyarbeit“ keine Menschen aufgrund ihres Berufes ausschließen. Daher endeten die Diskussionen ohne konkretes Ergebnis, da zwischen den Positionen offensichtlich kein Kompromiss möglich ist.
Anhand der Diskussionen wurde deutlich, dass queere Veranstaltungen und Räume oft als links wahrgenommen werden, es aber nicht sind. Es gibt bei Veranstalter_innen und Besucher_innen große Unterschiede in den politischen Haltungen, bzw gar keine politische Positionierung. Aufgrund dieses linken „labeling“ gehen viele Leute von der Umsetzung linker Standards aus, darunter auch dass Polizisten, in welcher Form auch immer, unerwünscht sind und ggf. rausfliegen.
Daher war eines der wenigen Ergebnisse der Diskussionsveranstaltungen die Feststellung, dass es notwendig ist, die entsprechende „Türpolitik“ bei Veranstaltungen transparent zu machen.

Ganz anders sieht jedoch die Praxis aus: Nicht nur das die Veranstalter_innen der Party im Ackerkeller alle Diskussionen ignorierten und in keiner Weise ihre „Offenheit“ kenntlich machten. Es war sogar mit dem Ackerkeller abgesprochen, dass es, wenn es für die Veranstalterin kein Problem ist, Bullen auf der Party zu haben, es für den Ackerkeller auch klar geht.

Geht´s noch?! Der Ackerkeller, der seine Veranstaltungen auch im Stressi „inseriert“, und sich somit auch als linker Raum ausgibt, feiert Partys mit Bullen!!

Hier zeigt sich einmal mehr die Beschränktheit einer Politik, die nur Geschlecht/Sexualität fokussiert und andere Herrschaftsstrukturen außer acht lässt. Nochmal: „Offen für alle“ gibt es nicht, sondern produziert nur unsichtbare Ausschlüsse.

Wir haben keinen Bock mehr auf diesen wischiwaschi Pseudosubkulturscheiss!! Her mit linken Inhalten und Positionen!!

Hiermit ergeht die Aufforderung an den Ackerkeller, Organisator_inn_en von queeren Veranstaltungen, aber auch alle andere linken Räume und Veranstalter_inne_n: Setzt euch mit Inhalten auseinander, übernehmt Verantwortung, positioniert euch und macht dies auch deutlich! Links ist mehr als ein Partystyle!!

die pinkpunxx

pinkpunxx@web.de
pinkpunxx.blogspot.com


2 Antworten auf “Offen für alle? Auch fürs BKA? Und trotzdem links und queer?”


  1. Gravatar Icon 1 zielscheibe 12. April 2008 um 1:20 Uhr

    hallo pinkpunxx,
    stellt bitte erstmal uns an den pranger, denn wir haben die party am 22.3. im acker organisiert! ihr werdet uns jetzt wahlweise wischiwaschi, naiv oder als kollaborateur_innen hassenswert finden. als näxtes ruft ihr womöglich noch zum boykott unserer partys auf.
    wir können und wollen einfach keine gesinnungs- oder berufskontrollen am einlass vornehmen (denn das sollte doch dann sicher für alle gelten, oder woher wollt ihr wissen, wer sich sonst noch so alles auf irgendwelchen partys rumtreibt?) wir haben noch nie solche kontrollen gemacht. wie sollen wir denn transparent machen, dass wir sowas nicht durchführen? „bull_innen erlaubt“? reicht es vielleicht auch einfach aus, zu sagen, die herrschaftsstrukturen kritisieren wir sehr wohl – individuen, die immer auf die eine oder andere weise damit verquickt sind, müssen aber nicht in jedem fall ständig von uns sanktioniert werden?
    hiermit sagen wir ganz deutlich: wir finden das bka scheiße!
    die welt lässt sich aber dummerweise nicht so einfach in gut und böse einteilen. (oder, um es mit new model army zu sagen: „purity is a lie“!) wenn ihr euch moralisch zum aburteilen legitimiert fühlt – nur zu. eure methoden ähneln schon jetzt denen von bild-zeitung und staatsschutz. wer solche mittel anwendet, verhält sich auch nicht anders als die – egal, für welche ideale gekämpft wird. was soll denn besser laufen in dieser scheißwelt, wenn leute wie ihr irgendwann bestimmen, wo’s lang geht? ihr wollt einfach nur euer ding durchziehen und alle anderen haben das genauso zu sehen, sonst sprecht ihr ihnen gleich das links-sein ab. wär es nicht wichtiger, unsere energien für dringendere dinge einzusetzen als linientreue zu überprüfen?

    p.s. hier noch unsere position für die anderen leute, die gar nicht wissen, was hier verhandelt wird:

    statement des orga-teams der multisexuellen party

    wir sind ein kleines grüppchen von leuten, das seit vielen jahren in berlin gelegentliche partys veranstaltet, meistens soliveranstaltungen für verschiedene gruppen und vereine. am 22. märz dieses jahres gab es eine party für triq e.v. im ackerkeller. diese entscheidung haben wir getroffen, weil wir finden, dass die themen transgender und intersexualität nach wie vor unterbelichtet sind. mehr öffentliche räume und alltägliche auseinandersetzung zu geschlechterkonstruktionen sind unbedingt notwendig. der ackerkeller hat uns dafür netterweise seinen ort zur verfügung gestellt. viele leute hatten spaß und wir freuen uns, dass wir mit den einnahmen die arbeit von triq unterstützen konnten. das haben aber offenbar nicht alle so empfunden.

    bei den vorbereitungen wussten wir von dem konflikt um eine transperson, die beim bka arbeitet und offensichtlich im zusammenhang mit triq unterwegs ist. wir wussten auch von der abgesagten party im morgenrot im vergangenen jahr, die teil der transtagung sein sollte. wir haben uns mit dem thema auseinandergesetzt und im konsens entschieden, für unsere party außer grundlegenden dingen keine weiteren vorschriften zu machen. wichtig war uns, keine sexistischen anmachen, rassistische, antisemitische oder behindertenfeindliche diskriminierung zu dulden. und natürlich ist die multisexuelle party auch kein ort für trans- oder homophobe äußerungen. unsere position war dem ackerkeller bekannt und wurde akzeptiert. uns war klar, dass diese entscheidung auch kritik hervorrufen könnte.

    wir können sehr gut verstehen, dass leute mit repressionserfahrung keine lust haben, mit menschen zu feiern, die „auf der anderen seite“ stehen. kritik an polizeiorganen finden wir in jedem gesellschaftssystem extrem wichtig. sie ist auch in diesem staat – gerade im hinblick auf derzeit laufende verfahren und gesetzesvorhaben – sehr angebracht. wir verstehen uns aber als undogmatische linke und lehnen es ab, mit quasi-polizeilichen methoden wiederum leute für ihre politische haltung (oder unreflektiertheit) zu schikanieren – auch wenn wir ihre meinung total scheiße finden. deshalb gab es kein schild mit der aufschrift: „bull_innen, soldat_innen, fleischer_innen, cdu-wähler_innen etc. raus!“

    wir wünschen uns respekt für unsere entscheidung. wenn die pinkpunxx eine party organisieren und dort andere regeln aufstellen, akzeptieren wir das doch auch.
    wir bedauern, dass sich die leute durch die anwesenheit dieses einen betreffenden menschen so unwohl fühlten, dass sie sich fürs gehen entschieden. wir fänden es gut, wenn alle beteiligten des konflikts ernsthaft nach einer lösung suchen würden, mit der alle leben können.

  2. Gravatar Icon 2 trouble x 21. April 2008 um 10:43 Uhr

    .hallo liebe zielscheibe!

    .anscheinend wird bei dieser diskussion von eurer seite „vergessen“, dasz eine „bullen-identität“ selbst gewählt ist, eine trans*-identität jedoch (meistens) nicht.
    .und wie viele von uns trans*menschen haben eben schon bullen-gewalt zu spüren bekommen eben weil sie trans* sind? (und nicht „nur“ weil sie links sind?)
    .somit kommt die forderung, dasz dieser bulle seine haltung mal „überdenken“ soll nicht „nur“ aus der „linken ecke“ der queer/trans*-szene, sondern durchaus auch von sich anders als „eindeutig links“ verortenden menschen…
    .wer als trans*mensch in der lage ist, eine bullen-laufbahn einzuschlagen, sollte auch in der lage sein, die konsequenzen daraus zu ziehen. z.b. linke und links gelesene veranstaltungen und räume (z.b. das morgenrot) meiden.
    .es geht hier auch nicht um „dogmen“, es geht hier um eine offensichtliche „macht“-position, die dieser eine bulle immer wieder freiwillig eingeräumt bekommt, „nur“ weil er „zufällig“ auch ein trans*-mensch ist.

    .was macht ihr denn mit einem offensichtlichen fascho, der sich ebenfalls als trans* versteht, aber kein problem für sich da erkennt? und dazu noch äuszerst freundlich ist und kein diskriminierendes verhalten (zumindest bei der party) an den tag legt? ihn_sie auch integrieren? weil es ja „unfair“ ist, ihn_sie nicht zu unterstützen? und weil ihr ihn_sie nicht „schikanieren“ wollt, aufgrund der „politischen gesinnung?“
    .weil er „es“ nicht so „meint“?
    .und weil „trans*“ als „andockpunkt“ wichtiger ist als alles andere?

    .und was ihr auch vergeszt: im zweifelsfall kann der bulle sich nicht enscheiden, ob parteiisch/solidarisch für oder gegen einen trans*-menschen handelt/ermittelt…
    .das bedeutet, dasz die ganze solidarität, die ihr in dieser diskussion als motivation für euer (meiner meinung nach ziemlich unreflektiertes) handeln anführt, niemals zurück bekommen würdet.

    .und mit jeder entscheidung, die ihr bewuszt „zugunsten“ des bullen trefft, trefft ihr eine entscheidung mehr gegen viele andere (linke) trans*menschen.

    .denkt da mal bitte drüber nach.

    .lieben grusz.
    :pain:t:

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