Der Rosa Baron


queer.de, eines der führenden schwulen Internetportale in Deutschland, umwirbt gerade das neueste Produkt geschichtsrevisionistischer Vergangenheitsbewältigung, Müllerschöns Propagandastück „Der Rote Baron“.
Ob es wohl nur aus dem Grund geschieht, dass der blonde, blauäugige Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer „Deutschlands attraktivster Jungstar “ sei, oder der reaktionär-rassistische Mob befriedigt werden will, der sich dort gerne in der Kommentarsektion auslebt, sei dahingestellt.

Für besonders brisant hält queer.de zwar, dass Schweighöfer findet,

dass es „viel schönere Männer als mich“ gibt. Besonders brisant wird diese Einschätzung dadurch, dass er Männer für generell „eher unerotisch“ hält. „Ich verstehe gar nicht, was Frauen an unserem Geschlecht finden“, so der Schauspieler im Interview mit dem People-Magazin GALA. „Ich mag Brüste und brauche keinen Mann nackt zu sehen.“

Weniger „brisant“ dagegen ist wohl die Autobiographie des Rittmeisters Manfred Freiherrn v. Richthofen, die als Bestseller in den Kriegsjahren und danach den Mythos des Roten Barons begründet hat und Grundlage dieses ahistorisch vermanschten Möchtegern-Hollywoodfilms bildet, in dem der aufrichtige Pilot in den Feldlazaretten mit dem Grauen des Krieges konfrontiert und von einer angeschmachteten Krankenschwester mit Gewissensbissen behaftet wird, so dass ihm das Franzacken und Russen bombardieren irgendwie so gar nicht mehr richtig Spaß machen will.

Lesen müssen wir es nicht, dem Regisseur, Produzenten und Darstellern wäre es jedoch angeraten gewesen mal, einen Blick in das Machwerk dieses vermeindlichen Fliegerhelden zu werfen, das Karl Kraus schon 1917 in „Ein Deutsches Buch“ in Auszügen zusammegefasst hat.

… Auf jeder Station, auch da, wo wir nicht hielten, stand ein Meer von Menschen, die uns mit Hurra und Blumen überschütteten. Eine wilde Kriegsbegeisterung lag im deutschen Volk; das merkte man.

… Ich fühlte mich mit meiner Pistole in der Hand ganz kolossal sicher.

Die Einwohner hatten sich, wie ich später erfahren habe, sowohl einige Tage vorher gegen unsere Kavallerie als auch später gegen unsere Lazarette sehr aufrührerisch benommen, und man hatte eine ganze Menge dieser Herren an die Wand stellen müssen.

… Den Kriegsanfang möchte ich wieder mal mitmachen.
… Eigentlich hätte ich den Franktireur wie ein Stück Vieh ›runterknallen müssen.

… Es liegt wohl im Blute eines Germanen, den Gegner, wo man ihn auch trifft, über den Haufen zu rennen, besonders natürlich feindliche Kavallerie. Schon sah ich mich an der Spitze meines Häufleins eine feindliche Schwadron zusammenhauen und war ganz trunken vor freudiger Erwartung. Meinen Ulanen blitzten die Augen.

… Alles das spielte sich auf einem schmalen Waldweg ab, so daß man sich wohl die Schweinerei vorstellen kann, die sich nun ereignete.

… Er hatte uns wohl von Anfang an beobachtet und, wie es den Franzosen nun mal liegt, aus dem Hinterhalt seinen Feind zu überfallen, so hatte er es auch in diesem Fall wieder versucht.

Aus dem Kapitel »Bombenflüge in Rußland«:

… Man konnte das von oben sehr schön sehen; an jeder Ausweichstelle stand ein Transportzug. Also ein wirklich lohnendes Ziel für einen Bombenflug.

Man kann sich für alles begeistern. So hatte ich mich mal für eine Weile für dieses Bombenfliegen begeistert. Es machte mir einen unheimlichen Spaß, die Brüder da unten zu bepflastern. Oft zog ich an einem Tage zweimal los

Es ist sehr schade, daß in meiner Sammlung kein Russe vorhanden ist. An der Wand würde sich seine Kokarde gewiß ganz malerisch machen. So ein Flug mit einer dicken, schwerbeladenen Maschine, besonders in der russischen Mittagsglut, ist nicht von Pappe.

… Endlich ist man in einer ruhigeren Luftschicht und kommt allmählich zu dem Genuß des Bombenfluges. Es ist schön, geradeaus zu fliegen, ein bestimmtes Ziel zu haben und einen festen Auftrag. Man hat nach einem Bombenwurf das Gefühl: Du hast etwas geleistet, während man manchmal bei einem Jagdflug, wo man keinen abgeschossen hat, sich sagen muß: Du hättest es besser machen können. Ich habe sehr gern Bomben geworfen.

Gott sei ferner mit Ihnen. — —

Vgl.: Die Fackel, Nr. 462-471, XIX. Jahr

Wien, 9. Oktober 1917.

Aber Hauptsache ein „attraktiver Jungstar“ ist dabei, um uns diesen Mist schmackhaft zu machen.


2 Antworten auf “Der Rosa Baron”


  1. Gravatar Icon 1 snoopy 12. April 2008 um 16:57 Uhr

    danke

  2. Gravatar Icon 2 frechinchen 18. April 2008 um 0:00 Uhr
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