Homophobie als „moral insanity“

ondamaris zitiert und übersetzt pinknews:

Homophobie ist eine “perverse Krankheit”. Sagt Brasiliens Staatspräsident Lula, bei der Eröffnung der “Ersten Nationalen Konferenz von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transvestiten und Transsexuellen” letzte Woche.

Lula betonte, er werde “alles unternehmen was möglich ist, um Zustimmung für die Kriminalisierung von Homophobie zu erreichen sowie die zivile Partnerschaft” einzuführen.

Brasiliens Staatspräsident Lula bezeichnete Homophobie zudem als “die perverseste Krankheit, die in den menschlichen Kopf imprägniert wurde”.

Da freuen sich Lesben und Schwulen natürlich drüber, aber man sollte doch bedenken, dass Lula in seinen Äußerungen, die die Struktur klassischer Lesben- und Schwulenfeindlichkeit nachahmen, einfach nur „Homosexualität“ gegen „Homophobie“ ausgetauscht hat. Jetzt ist auf einmal Homophobie eine „perverse Krankheit“, und zwar paradoxerweise eine, die nicht bloß geheilt, sondern gleichzeitig bestraft werden muss. (Oder ist die Strafe selbst schon die Therapie?)

Was ich dagegen einzuwenden habe, hab ich hier bereits geschrieben:

Es ist einfach Quatsch, Rassismus und Antisemitismus als Defekt einzelner Subjekte darzustellen und in Begriffen einer freudschen Psychopathologie zu rahmen. Schon allein deshalb, weil die ganze Vorurteilsforschung […] die Wissenschaft als objektive, gesunde und aufgeklärte Institution darstellt und sie mit subjektiven, kranken und vorurteilsbehafteten Individuen konfrontiert. Dabei hat keine Instanz den Rassismus so stark vorangetrieben wie die Wissenschaft selbst. Die Vorurteile von heute sind die wissenschaftlichen Theorien von gestern. […]

Man überlege sich nur, welche Rolle die Psychoanalyse dabei gespielt hat, Homosexuelle zu konstruieren, zu pathologisieren und als deviante Subjekte darzustellen. Aber wer diese ins Alltagsbewusstsein eingesickerten Theorien heute noch vertritt, gilt auf einmal als behandlungsbedürftig! Früher beschäftigte sich das Journal for Abnormal Psychology mit Homosexualität, heute erscheinen dort Aufsätze über Homophobie. Ja, da hätten wohl die ganzen früheren Autoren auch gleich auf die Couch gehört!

Homophobie ist keine „psychische Krankheit“, es ist eine soziale Struktur, an deren Schaffung und Befestigung die Psychiatrie maßgeblich beteiligt war. Zentral dafür war die Konstruktion eines geisteskranken Subjekts hinter den vom Gesetz kriminalisierten Beischlafhandlungen. So definierte der englische Psychiater Alexander Morison in seinem Werk The Physiognomy of Mental Diseases von 1849 diesen „Wahnsinn“ wie folgt:

MONOMANIA WITH UNNATURAL PROPENSITY

Is a variety of partial insanity, the principal feature of which is an irresistible propensity to the crime against nature.

This offense is so generally abhorred, that in treatises upon law it is termed „peccatum illud horribile inter christianos non nominandum,“ [jene schreckliche Sünde, die unter Christen nicht genannt werden darf — lysis] the punishment of which is death, formerly rendered more dreadful by burning or burying alive the offender.

Being of so detestable a character, it is a consolation to know that it is sometimes the consequence of insanity; it is, however, a melancholy truth, that the offence has been committed in christian countries, by persons in full possession of their reason and capable of controuling their actions, and it is said to be still more prevalent in countries where the purifying and restraining influence of the christian religion does not prevail, but that it is not in all cases the result of moral depravity there can be no doubt; monomania with unnatural lust is a well marked variety of insanity of not unfrequent occurrence; I have met with ten cases at least, in which it was the effect of cerebral disease.

[…]

The treatment of this variety differs little from that generally employed in cases of insanity — of nine cases I have known two cured. Camphor in large doses has been employed with advantage.

Seit der Streichung von Homosexualität aus dem Krankheitskatalog der WHO im Jahre 1990 scheint diese Pathologisierung Geschichte. Aber es bleiben doch zwei auffällige Kuriositäten zurück:

Erstens, die Tatsache, dass die Psychiatrie (und zwar insbesondere die Psychoanalyse, die die Entpathologisierung von „Homosexualität“ bis zuletzt aufzuhalten versuchte) nun ausgerechnet diejenigen Leute, deren Ansichten sie hervorgebracht und inhaltlich bestimmt hat, zu Ersatzobjekten ihrer Fürsorge erklärt: Nun sind plötzlich nicht mehr die Homosexuellen, sondern die Homophoben „abnorm“, „geisteskrank“ und ein Fall für die Klinik.

Zweitens, der Umstand, dass der Arzt und Aktivist Magnus Hirschfeld, der um 1900 die medizinische Konstruktion von Homosexualität nicht nur akzeptierte, sondern sie sogar (und das, wohlgemerkt, ziemlich erfolglos) zum Mittel seiner politischen Agitation gegen die Kriminalisierung der „widernatürlichen Unzucht“ machte, heute der Namens- und Stichwortgeber mehrerer in den 2000er Jahren gegründeter Stiftungen ist. Warum? Weil seine Strategie, die von der Psychiatrie hinter dem Strafrecht geschaffene Subjektposition „des Homosexuellen“ ideologisch zu affirmieren und von dort aus staatsbürgerliche Rechte einzufordern, bis heute die politische Methodik sämtlicher Institutionen der Schwulenbewegung ist.

Die Psychiatrie hat die Strukturiertheit gleichgeschlechtlicher Liebe damit bis heute und weit über die Ära der Pathologisierung hinaus geprägt und verändert. Die Konstruktion von „Homosexualität“ als identitätsstiftende Sondernatur, obwohl wesentlich von der Medizin produziert, verschwindet mit der Entmedikalisierung des „Homosexuellen“-Diskurses nicht einfach, sondern schreibt sich als organisierende Form weiter fort. Und daran sind nicht allein die Homophoben schuld, sondern auch eine Schwulenbewegung, die von dieser Gleichung partout nicht lassen kann; sich darauf beschränkt, ihre Vorzeichen zu ändern, sie auf den Kopf zu stellen oder einzelne Elemente zu ersetzen, aber sie niemals grundlegend in Frage stellt.

In dieser völlig antikritischen Haltung ist es dann auch folgerichtig, die Homophoben im psychiatrischen Diskurs an die Stelle der Homosexuellen hieven zu wollen, und damit im Grunde nicht mehr als einen travestiehaften Rollentausch zu erproben. Dass damit eine Wiedereinsetzung der Autorität pathologisierender Institutionen und ihrer infamen Objektivierungslogik verbunden ist, scheint dabei niemanden wirklich zu stören.


13 Antworten auf “Homophobie als „moral insanity“”


  1. Gravatar Icon 1 XYZ 23. Juni 2008 um 8:06 Uhr

    Seit wann ist Psychoanalyse denn Wissenschaft?

    Warum werden die Hypothesen von Foucault et.al. („Homophobie ist keine “psychische Krankheit”, es ist eine soziale Struktur, an deren Schaffung und Befestigung die Psychiatrie maßgeblich beteiligt war.“)hier als Tatsachen hingestellt?

    Es handelt sich dabei im besten Fall um ziemlich umstrittene Theorien, die von den entsprechenden Fachhistorikern abgelehnt werden.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 23. Juni 2008 um 16:30 Uhr

    Oje. Unter den internationalen Fachhistorikern — jedenfalls denen, die sich mit der Geschichte gleichgeschlechtlicher Liebe befassen — ist Foucault noch immer die hegemoniale Bezugsfigur. Natürlich gibt es auch lesbisch-schwule Historiker, die ihn ablehnen. Aber die kann ich an einer Hand aufzählen! Es sind: John Boswell (verstorben), Rictor Norton, Stephen O. Murray, Louis Crompton und … huch, jetzt fällt mir schon keiner mehr ein!

  3. Gravatar Icon 3 lysis 23. Juni 2008 um 22:01 Uhr

    Und selbst Rictor Norton, einer der letzten essentialistischen Historiker (dessen Werk ich im Übrigen sehr schätze, weil es seine methodologische Schwäche durch den Reichtum der erschlossenen Quellen wettmacht) ist sich im Klaren darüber, dass er innerhalb seines Felds eine absolute Minderheitenposition verficht:

    During the past half-generation the history of homosexuality has been dominated by social constructionist dogma.

    Dieses Übergewicht wird schon allein an der schieren Fülle und Prominenz der Namen deutlich, die Norton als seine Widersacher benennt:

    The first generation of social constructionists in this field include, among others, Mary McIntosh, Jeffrey Weeks, Kenneth Plummer, Robert Padgug, David M. Halperin, John D’Emilio, Michel Foucault, Sheila Jeffries, Jonathan Ned Katz (in his later work) and, to a lesser extent, less dogmatic theorists such as David F. Greenberg and George Chauncey.

    Und in der zweiten Generation von Historikern auf diesem Feld ist mir ehrlich gesagt so gut wie überhaupt niemand mehr bekannt, der sich noch offensiv in Nortons und Boswells Tradition einer essentialisierenden Geschichtsschreibung stellen würde.

    Ich will ja nicht prahlen, aber ich denke, das prä-foucauldianische Programm, das du so engagiert verteidigst, scheint mir gerade im Aussterben begriffen — allerdings nur im Bereich der Humanwissenschaften. Politisch ist der Essenzialismus nahezu unangekratzt, was besonders auffällt, wenn man die epistemologische Rückständigkeit der Schwulenbewegung vor dem Hintergrund der rasanten Herausbildung eines gender-konstruktivistisch orientierten „Postfeminismus“ betrachtet.

    Irgendwie ist das sogar ziemlich paradox, weil sich die konstruktivistischen Ansätze in den „gay & lesbian studies“ schon viel früher und auch nachhaltiger durchsetzen konnten, als das in der Frauenforschung historisch der Fall war. Aber die Lesben- und Schwulenbewegung hat sich immer sehr harsch gegen konstruktivistische Argumente aus der Wissenschaft gesperrt, was gerade in den USA sehr viel mit der Frontstellung zum christlichen Fundamentalismus und dessen Strategie zu tun hat, „gayness“ auf eine Art lifestyle zu reduzieren.

    Die politischen LGBT-Gruppen haben daher spätestens seit den 80ern bevorzugt auf Biologie und Genetik gesetzt (man erinnere sich bloß an die peinlichen Xq28-T-Shirts!), als sich von den Diskussionen in den Humanities auch nur im Geringsten beeinflussen zu lassen. Robert Alan Brookey arbeitet dieses Theorie-Desaster in seinem Buch Reinventing the Male Homosexual: The Rhetoric and Power of the Gay Gene kritisch auf.

  4. Gravatar Icon 4 XYZ 24. Juni 2008 um 14:52 Uhr

    Als wenn es außerhalb der “gay & lesbian studies” keine Historiker gäbe; das ist wohl eher ein Orchideen fach ohne allzu große Bedeutung.

    Zu Foucault empfehle ich:

    José G. Merquior, Foucault, Fontana, London 1985

    Richard F. Hamilton, The Social Misconstruction of Reality, Yale University Press 1996

    Jan Rehmann, Postmoderner Linksnietzscheanismus, Hamburg 2004

    Besonders in dem Buch von Hamilton wird dargelegt, dass praktisch alle Theorien von Foucault über die europäische Geschichte schlicht falsch sind.

    Das Irrenhaus ist keine Erfindung der Aufklärung, Irrenhäuser gab es in ganz Europa schon im 15. Jahrhundert.

    Die Folter wurde zwar in der französischen Revolution abgeschafft, aber Napoleon führte sie wieder ein.

    Die Zahl der Gefängnisinsassen nahm während des gesamten 19. Jahrhunderts kontinuierlich ab und stieg erst nach dem I. Weltkrieg wieder an. Die gängige Bestrafungsform war nicht das Gefängnis, wie Foucault meint, sondern die Deportation; man wollte die Gefangenen nicht optimal kontrollieren, sondern einfach aus den Augen haben, nach Guayana oder Australien, von wo sie nie wieder kamen.

    Nicht die preußische Armee mit ihrer rigiden Disziplin war Vorbild des 19. Jahrhunderts, sondern die Armee Napoleons, die ihre Erfolge erzielte, indem sie den Unteroffizieren größere Freiheiten ließ (was Foucault als Franzose eigentlich wissen müsste, aber nicht erwähnt).

    Jeremy Bentham den Foucault so niedermacht wegen seines Panoptikums so niedermacht, war übrigens einer der ersten, der die Abschaffung der Strafbarkeit von Homosexualität forderte:

    http://www.columbia.edu/cu/lweb/eresources/exhibitions/sw25/bentham/index.html

    Foucault sucht sich einfach irgendwelche historischen Dokumente
    zusammen, montiert sie, und baut darauf weitreichende Theorien auf, die ihrerseits nachweislich der historischen Realität widersprechen. Zumindest als Historiker ist er nicht ernst zu nehmen (und als Philosoph ohnehin nicht).

  5. Gravatar Icon 5 lysis 25. Juni 2008 um 1:57 Uhr

    Als wenn es außerhalb der “gay & lesbian studies” keine Historiker gäbe; das ist wohl eher ein Orchideen fach ohne allzu große Bedeutung.

    Äh, entschuldige, da scheint ein kleines Missverständnis zu bestehen. Der Begriff „studies“ bezeichnet kein Universitätsfach, sondern ein interdisziplinäres Themenfeld, das einen gewissen Grad an Kanonisierung erreicht hat. Wenn man beispielsweise von „Suicide Studies“ spricht, heißt das noch lange nicht, dass man jetzt „Diplomsuizidologe“ werden könnte. Es heißt lediglich, dass es mittlerweile einen ganzen Schwarm von Soziologen, Historikern und Psychologen gibt, die zum Selbstmord forschen und veröffentlichen und dass sich diese Leute nicht nur regelmäßig aufeinander beziehen, sondern auch bestimmte Klassiker innerhalb ihres Feldes ausweisen können — wie z.B. Emile Durkheims Le suicide.

    Dasselbe trifft für solche Arbeitsgebiete wie „Middle Eastern Studies“, „Critical Whiteness Studies“, „Postcolonial Studies“, „Gender Studies“ oder „Cultural Studies“ zu. Leute, die sich dort verorten, kommen aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen: sie sind Soziolog_innen, Historiker_innen, Literaturwissenschaftler_innen, Philosoph_innen, Sprach- und Politikwissenschaftler_innen. Was sie verbindet, ist nicht, dass sie Teil eines gemeinsamen Universitätsfaches wären, sondern dass sie zum gleichen Gegenstand arbeiten und möglicherweise auch neue, transdisziplinäre Theorien und Methoden entwickelt haben.

    „Studies“ ist der Name für eine neuere Organisationsform von Wissenschaft, die sich nicht mehr an den traditionellen Disziplingrenzen orientiert, wie sie sich Ende des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben. Stattdessen kristallisieren sie sich um bestimmte Gegenstände herum. Darauf den Begriff „Orchideenfach“ anzuwenden, ist, entschuldige bitte, nichts als lupenreiner Schwachsinn. Ein Historiker wird zu den „Gay & Lesbian Studies“ gerechnet, sobald er ein Werk publiziert hat, das sich mit diesem Thema befasst. Das heißt noch lange nicht, dass er nur dazu forscht oder dass er nicht, wie John Boswell, Bernd-Ulrich Hergemöller oder Mark D. Jordan, über einen traditionellen Lehrstuhl in Mittelalterlicher Geschichte verfügen könnte.

  6. Gravatar Icon 6 lysis 25. Juni 2008 um 3:18 Uhr

    Zu Foucault empfehle ich:

    José G. Merquior, Foucault, Fontana, London 1985

    Huch, das ist ja mal aktuelle Literatur.

    Jan Rehmann, Postmoderner Linksnietzscheanismus, Hamburg 2004

    Sieh an, gibt sich schon im Titel als pure Denunziationsfibel zu erkennen!

    Besonders in dem Buch von Hamilton wird dargelegt, dass praktisch alle Theorien von Foucault über die europäische Geschichte schlicht falsch sind.

    Das Irrenhaus ist keine Erfindung der Aufklärung, Irrenhäuser gab es in ganz Europa schon im 15. Jahrhundert.

    Da bringst du aber was gewaltig durcheinander. Foucault war Professor für die Geschichte der Denksysteme und schrieb darüber, wie der „Wahnsinn“ zum wissenschaftlichen Gegenstand einer Disziplin namens Psychiatrie wurde. Dass das eine Erfindung der Aufklärung war, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten. Und dass die Irren schon vorher in den verlassenen Leprosorien der frühen Neuzeit weggeschlossen wurden, kannst du bei Foucault selbst nachlesen; dazu braucht es Hamilton nicht.

    Die Folter wurde zwar in der französischen Revolution abgeschafft, aber Napoleon führte sie wieder ein.

    Weswegen wir heute im Strafprozess noch immer die Streckbank und die Daumenschraube haben! Meine Fresse, das ist ja echt peinlich. Ich zitiere mal Wikipedia:

    „Allmählich brach im 18. Jahrhundert der Widerstand auch der Obrigkeit und ihrer Juristen gegen die Abschaffung der Folter zusammen. Den Startschuss für Deutschland gab der Preußenkönig Friedrich der Große. Bereits wenige Tage nach seinem Amtsantritt ließ er in einer Kabinettsorder vom 3. Juni 1740 die ‚Tortur‘ ausdrücklich abschaffen, allerdings mit drei Ausnahmen: Hochverrat, Landesverrat und ‚große‘ Mordtaten mit vielen Tätern oder Opfern, und 1755 wurden auch diese Einschränkungen beseitigt, ohne dass bis dahin ein solcher Ausnahmefall eingetreten wäre. […] Wenige Jahrzehnte später folgten ihm andere deutsche Territorien mit der Abschaffung oder wesentlichen Einschränkung der Folter, wie die Übersicht rechts zeigt.

    Die Entwicklung im übrigen Europa verlief parallel, 1815 wurde die Folter im Kirchenstaat abgeschafft. Zuletzt erfolgte die Abschaffung 1851 im schweizerischen Kanton Glarus, wo 1782 auch Europas letzte Hexe, Anna Göldi, hingerichtet worden war.“

    Hamilton scheint ja wirklich ein echter Blödmann zu sein!

    Die Zahl der Gefängnisinsassen nahm während des gesamten 19. Jahrhunderts kontinuierlich ab und stieg erst nach dem I. Weltkrieg wieder an. Die gängige Bestrafungsform war nicht das Gefängnis, wie Foucault meint, sondern die Deportation; man wollte die Gefangenen nicht optimal kontrollieren, sondern einfach aus den Augen haben, nach Guayana oder Australien, von wo sie nie wieder kamen.

    Abgesehen davon, dass ich die Aussage schwer bezweifle, ging es Foucault um den Wechsel von den Körper- zu den Gefängnisstrafen — ein historischer Prozess, den niemand wird in Frage stellen können, selbst dann nicht, wenn im 19. Jahrhundert die Deportation noch eine größere Rolle gespielt haben sollte, als Foucault ihr in seinem Werk „Überwachen und Strafen“ zubilligt. Dessenungeachtet geht es Foucault um eine Analyse des Gefängnisses als Teil einer neuen Disziplinargesellschaft, die sich in Schulen, Heimen, Fabriken und bei der Ausbildung von Rekruten als bestimmter Typus der Machtausübung über die Körper herausschälte. Foucault geht es nirgends darum, welchen quantitativen Anteil die Gefängnisstrafen an den im 19. Jahrhundert verhängten Strafurteilen hatten. Die Kritik, die du vorträgst, geht einfach total an der Sache vorbei! Und selbst wenn, was in einem geschichtlichen Werk dieses Umfangs absolut unvermeidlich ist, Foucault hier und da ein Fehler in der historischen Darstellung unterlaufen sein sollte, ist das wohl kaum ein Grund für die Art von Fundamentalkritik, zu der du dich allein deshalb schon berechtigt glaubst.

    Nicht die preußische Armee mit ihrer rigiden Disziplin war Vorbild des 19. Jahrhunderts, sondern die Armee Napoleons, die ihre Erfolge erzielte, indem sie den Unteroffizieren größere Freiheiten ließ (was Foucault als Franzose eigentlich wissen müsste, aber nicht erwähnt).

    Entschuldige, aber es geht bei Foucault um eine Analyse der Techniken des Manövers und der bis in die Kontrolle der kleinsten Bewegungen verfeinerten Rekrutenausbildung, um die Kasernierung und Überwachung, nicht um irgendwelche diffusen „Freiheiten“, die Unteroffizieren angeblich zugebilligt oder nicht zugebilligt wurden. Deine Kritik ist viel zu unspezifisch, als dass man damit irgendetwas anfangen könnte.

    Entscheidend ist darüber hinaus, dass diese Art von Disziplinartechnologie — schau dir nur mal einen Bericht über amerikanische Boot Camps oder meinetwegen auch die Ausbildung bei der Bundeswehr an — bis heute das Prinzip jeder modernen Armee ist. Das kannst du doch nicht wegwischen, indem du darauf verweist, dass die Unteroffiziere unter Napoleon „mehr Freiheiten“ gehabt hätten als in der preußischen Armee. Welche meinst du denn genau? Dass sie öfter Ausgang hatten? Dass sie eine Stunde länger schlafen durften? Dass sie ihre Meinung offen sagen konnten? Man weiß es nicht, und du willst es offenbar auch nicht verraten.

    Jeremy Bentham den Foucault so niedermacht wegen seines Panoptikums so niedermacht, war übrigens einer der ersten, der die Abschaffung der Strafbarkeit von Homosexualität forderte

    Ja und? Wo ist denn da der Widerspruch?

  7. Gravatar Icon 7 XYZ 25. Juni 2008 um 14:26 Uhr

    „Huch, das ist ja mal aktuelle Literatur.“

    1985 war Foucault schon tot, aktueller als seine Schriften ist Merquior allemal.

    „gibt sich schon im Titel als pure Denunziationsfibel zu erkennen!“

    Wieso? dass die gesamte sog. Postmoderne auf Nietzsche beruht, ist ein Gemeinplatz. Im Übrigen würde es dir gut tun, auch mal was zu lesen, dass deine vorgefasste Meinung nicht immer wieder neu bestätigt. Das Buch von Rehmann ist alles andere als polemisch, s.
    http://www.buecher.de/shop/Postmoderne/Postmoderner-Links-Nietzscheanismus/Rehmann-Jan/products_products/content/prod_id/12528240/

    „Abgesehen davon, dass ich die Aussage schwer bezweifle, ging es Foucault um den Wechsel von den Körper- zu den Gefängnisstrafen — ein historischer Prozess, den niemand wird in Frage stellen können, selbst dann nicht, wenn im 19. Jahrhundert die Deportation noch eine größere Rolle gespielt haben sollte, als Foucault ihr in seinem Werk “Überwachen und Strafen” zubilligt. „

    Was nicht mehr bedeutet, als dass er einen wichtigen Aspekt seines Themas unterschlägt, weil er nicht ins Bild passt.

    „Dessenungeachtet geht es Foucault um eine Analyse des Gefängnisses als Teil einer neuen Disziplinargesellschaft, die sich in Schulen, Heimen, Fabriken und bei der Ausbildung von Rekruten als bestimmter Typus der Machtausübung über die Körper herausschälte.“

    Von anderen Historikern wird mit Grund (und empirischen Belegen)bezweifelt, dass es diese Disziplinargesellschaft so wie F. sie darstellt, überhaupt gibt oder gegeben hat. Du kannst nicht einfach den Konsens der Foucault-Anhänger als Garantie der Wahrheit darstellen.

    „Und selbst wenn, was in einem geschichtlichen Werk dieses Umfangs absolut unvermeidlich ist, Foucault hier und da ein Fehler in der historischen Darstellung unterlaufen sein sollte, ist das wohl kaum ein Grund für die Art von Fundamentalkritik, zu der du dich allein deshalb schon berechtigt glaubst.“

    Wenn jemand in einem Buch über Geschichte schlicht und einfach falsche Tatsachenbehauptungen aufstellt (und zwar am laufenden Band), disqualifiziert ihn das natürlich als Historiker.

    „Deine Kritik ist viel zu unspezifisch, als dass man damit irgendetwas anfangen könnte.“

    Zweifellos; ich habe auch nur wiedergegeben, was bei mir von der Lektüre hängengeblieben ist. Wenn sich jemand so undifferenziert Foucault´sche Positionen zu Eigen macht wie du, und sie öffentlich einfach in Form von Tatsachenbehauptungen wiedergibt, sollte er allerdings schon wissen, was andere dazu sagen.

    „Ja und? Wo ist denn da der Widerspruch?“

    Der Widerspruch liegt darin, dass es Bentham eben nicht um die Errichtung einer totalitären Kontrollgesellschaft ging, sondern um die Erweiterung der Freiheitsräume der Einzelnen.

    Im Übrigen habe ich eine solche Antwort erwartet: jede Kritik an Foucault beruht darauf, dass man ihn nicht versteht und ist im übrigen (ohne dass man von ihr mehr kennen muss als den Titel) Denunziation und als solche nicht ernst zu nehmen. Schlaf weiter.

  8. Gravatar Icon 8 lysis 25. Juni 2008 um 15:46 Uhr

    Entschuldige, aber du hast dich doch gerade mit deiner auf Hamilton beruhenden Kritik vollständig blamiert. Dass Foucault selbst ausführlich über die verlassenen Leprosorien der frühen Neuzeit schrieb, in die die Irren eingesperrt wurden, zeigt, dass Hamilton Foucaults Bücher noch nicht einmal gelesen hat!

    Davon abgesehen möchte ich dich noch einmal darauf hinweisen, dass Foucault ausgesprochen wenig über das Thema „Homosexualität“ geschrieben hat. In Der Wille zum Wissen sind es maximal drei Seiten. Dasselbe trifft auf Themen wie Frauen und (Post)Kolonialismus zu. Seine Bedeutung für die „gender studies“, „gay & lesbian studies“ und „postcolonial studies“ liegt eben keineswegs primär in empirischen Einzelbehauptungen, sondern in einer bestimmten methodischen Herangehensweise — die wesentlich darin besteht, Gegenstände wie (Homo)Sexualität und Delinquenz nicht als natürlich gegeben zu betrachten, sondern die Weisen ihrer Produktion in einem bestimmten Macht-Wissen-Regime zu untersuchen.

    Es ist ja auch verblüffend, dass du zu der These von Foucault über die „Erfindung des Homosexuellen“ gar nichts zu sagen hast, sondern versuchst, einer Auseinandersetzung darüber auszuweichen, indem du ganz allgemein Pamphlete auflistest, die Foucault gern revidieren und quasi ungeschehen machen möchten. Was soll man darauf antworten? Jeder wichtige Theoretiker sieht sich einer Flut von Denunziationsfibeln ausgesetzt — nimm Marx! —, aber gerade darin erweist sich ja seine überragende Relevanz für eine politische Kritik der Gegenwart.

    Oder anders formuliert: Was juckt’s den Baum, wenn die Sau sich an ihm kratzt?

  9. Gravatar Icon 9 XYZ 26. Juni 2008 um 15:04 Uhr

    1) Ähhh… pardon, aber das mit den Irrenhäusern im 15. Jahrhundert steht bei Merquior, nicht bei Hamilton; habe ich auch nicht gesagt. Aber du weisst natrülich ganz genau, dass letzterer Foucualt nicht gelesen hat, ohne ihn seinerseits gelesen zu haben.

    2)Das Problem ist eben, dass Foucault zwar „Gegenstände wie (Homo)Sexualität und Delinquenz nicht als natürlich gegeben zu betrachtet, sondern die Weisen ihrer Produktion in einem bestimmten Macht-Wissen-Regime zu untersucht“, aber eben diese Voraussetzung nicht plausibel macht; warum ist Sexualität nicht natürlich gegeben? Selbstverständlich ist sie das.

    Auch das „Macht-Wissen-Regime“ ist eine Hypothese von F., die er eben nicht hinreichend belegt, wie ja grade die von mir zitierte Literatur nachweist, und zwar anhand von empirischen Belegen dafür, dass bestimmte historische Prozesse ganz anders abgelaufen sind, als sie von F. dargestellt werden.

    3) „Jeder wichtige Theoretiker sieht sich einer Flut von Denunziationsfibeln ausgesetzt“ – Aber nicht jede Kritik ist eine Denunziation, zumal nicht, wenn sie sachliche Fehler nachweisen kann. Ein schönes beispiel ist dieser Briefwechsel zwischen F. und einem englischen Historiker: http://www.nybooks.com/articles/6266

    Für mich versuchst du ganz einfach, die inzwischen ziemlich umfangreiche Kritik an Foucault von vornherein nicht zur Kenntnis zu nehmen, weil damit dein Weltbild ins Wanken geraten könnte.

  10. Gravatar Icon 10 XYZ 26. Juni 2008 um 15:20 Uhr
  11. Gravatar Icon 11 lysis 26. Juni 2008 um 19:40 Uhr

    Lieber XYZ, wenn ich die Kritik an Foucault nicht zur Kenntnis nehmen wollte, hätte ich deine Kommentare einfach gelöscht. Aber ehrlich gesagt gibt es in deinen Beiträgen praktisch keine fundierten Argumente, auf die man irgendwie eingehen könnte. Wenn du z.B. schreibst:

    warum ist Sexualität nicht natürlich gegeben? Selbstverständlich ist sie das.

    … frage ich mich, wie man mit dir überhaupt noch diskutieren will, wenn du deine Position sowieso immer schon als axiomatisch wahr voraussetzst! Du betrachtest ja nicht mal den Gedankengang, den Foucault und seine „Schüler“ entwerfen, und auch nicht die Quellen, die sie zur Stützung ihrer Thesen heranziehen, sondern sagst einfach von vornherein: stimmt gar nicht!

    Tut mir leid, aber das ist die Argumentation eines Kindes.

    Was du machst, ist des Wortes „Kritik“ nicht würdig. Es ist bloß das Verhalten eines Marktschreiers, das darin besteht, ständig auf irgendwelche Bücher zu verweisen, in denen Foucault deiner Auffassung nach „widerlegt“ wird.

    Dazu möchte ich mal Folgendes sagen: dass Foucaults Werk empirische Fehler enthält, ist absolut unvermeidlich (obwohl du bisher nicht in der Lage warst, auch nur einen einzigen konkreten Irrtum zu benennen, der auch tatsächlich wahr wäre). Ab einem gewissen Umfang muss jedes historische Werk fehlerbehaftet sein, weil der Mensch nunmal keine Rechenmaschine ist und alles, was es an Quellen, Texten und Ereignissen gibt, zur Kenntnis genommen haben kann. Aber es ist ein fundamentaler Unterschied, ob ein Buch Irrtümer enthält oder ob schon seine grundlegenden Thesen nicht stimmen.

    Was du tust, ist, diese beiden Ebenen systematisch zu verwischen. Du verweist darauf, dass es Leute gebe, die bei Foucault empirische Fehler gefunden hätten. Dass es solche Fehler gibt, daran hege ich nicht die geringsten Zweifel. Aber das ist doch etwas völlig anderes, als eine historische These für komplett unbrauchbar zu erklären.

    Dass z.B. in der bürgerlichen Gesellschaft die Logik des Gefängnissystems an die Stelle der Tortur und der martialischen Körperstrafen getreten ist, kann man nicht widerlegen, indem man darauf verweist, dass schon Napoleon die Folter wieder eingeführt habe. Wenn das allen Ernstes die Argumentationsebene von Herrn Merquior ist, dann ist der Mann schlicht und einfach dumm. Denn dass zwischen 1750 und 1850 die Folter aus allen Rechtssystemen Europas verschwand und dass daran auch mögliche Rückschläge unter Napoleon nichts ändern, ist so gesichert, dass kein seriöser Historiker das ernsthaft in Zweifel ziehen kann.

    Wenn sich hier also jemand auf der empirischen Ebene blamiert hat, dann du und Merquior, aber sicher nicht Foucault!

    Genausowenig seriös ist der Einwand, dass einige Kolonialstaaten des 19. Jahrhunderts alternativ zum Gefängnis in größerem Umfang auch Deportationsstrafen verhängten, um ihre Kolonialprojekte in Übersee voranzutreiben (wie z.B. England in Australien und Frankreich in Guyana). Das gibt vielleicht ein Argument dafür her, die Kolonialpolitik Frankreichs und Englands als zusätzlichen Faktor in Betracht zu ziehen, der bis zum Ersten Weltkrieg verhindert hat, dass sich in diesen Ländern das Gefängnissystem vollständig und alternativlos durchsetzen konnte. Aber Foucaults zentrale These, dass sich das Gefängnis deshalb gegen die Körperstrafen durchzusetzen begann, weil es auf der Logik einer damals auch viele andere Institutionen durchwirkenden Disziplinarmacht beruhte, ist dadurch im Grunde überhaupt nicht berührt.

    Und als Fundamentalkritik an Foucaults methodischem Ansatz taugt das Ganze erst recht nicht. Sorry, aber da musst du dir wirklich was Besseres einfallen lassen!

  12. Gravatar Icon 12 lysis 26. Juni 2008 um 23:12 Uhr

    Was die „Sexualität“ angeht, so ist sie gleich aus zwei Gründen nicht einfach „natürlich gegeben“. Der erste Grund ist fast schon banal: sexuelle Verhaltensweisen können sich historisch radikal verändern. Ein Beispiel dafür ist das nahezu vollständige Verschwinden der Erfahrung gleichgeschlechtlicher Lust unter Jugendlichen. So stellte Kinsey noch 1948 fest, dass bis zum Ende ihrer Teenager-Jahre 39 Prozent aller männlichen Jugendlichen schon einmal homosexuelle Erlebnisse hatten, bei denen sie zum Orgasmus gelangt waren. 1970 fand die Abteilung für Sexualforschung an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf in einer repräsentativen Umfrage heraus, dass damals immerhin noch 10 Prozent aller Jungen zwischen 16 und 18 Jahren „homosexuelle Kontakte mit Orgasmus“ vorweisen konnten. Als sie die Studie 1990 wiederholte, waren es erstaunlicherweise weniger als ein Prozent! Ein früher ziemlich prominenter Aspekt in der Sexualität von Jugendlichen ist damit innerhalb von 50 Jahren praktisch komplett weggebrochen.

    Und hier muss man auf den zweiten Grund verweisen, warum Sexualität nicht einfach „natürlich gegeben“ ist: Solche radikalen Veränderung in der Organisation der Lüste haben ihren Grund darin, dass sie auf einmal in einem anderen epistemologischen System zu funktionieren haben. Dieses System besagt: Wenn du gleichgeschlechtliche Erfahrungen machst, bist du homosexuell; du bist ein Abnormer oder Perverser — und wirst von der Gesellschaft entsprechend behandelt. Die Sexualwissenschaft reklamiert für sich, die sexuelle Ordnung so zu zeigen, wie sie ist: Menschen teilen sich auf in eine überwältigende Mehrheit mit „normaler sexueller Veranlagung“ und in eine kleine Minderheit mit einem „invertierten Sexualtrieb“. Tatsächlich aber wird diese Wirklichkeit durch die diskursiven Praktiken, die über sie verhängt sind, überhaupt erst als solche hergestellt. Die Wissenschaft bringt das hervor, von dem sie behauptet, es bloß zu repräsentieren.

    Für Foucault ist „Sexualität“ ein spezifisches Wissen über die Lüste, das im Kontext eines biopolitischen Programms entstanden ist: Ärzte und Psychiater, Pädagogen und Kriminologen, die Normen einer „gesunden Sexualität“ definieren, sie über medizinische und sexualaufklärerische Institutionenen an die Bevölkerung herantragen, sie zum Sprechen über ihre Lüste bringen und an ihr die Abweichungen bestimmen, gegen die interveniert werden muss. Forscher, die Reihenuntersuchungen an den als „pervers“ klassifizierten Subjekten vornehmen, ihre anatomischen und psychologischen Besonderheiten registrieren, Profile erstellen, ätiologische Theorien entwickeln und schließlich so etwas wie „den Homosexuellen“ als wissenschaftlichen Typus erschaffen. Reformaktivisten, die sich auf diese Konstruktion stützen, von ihr aus eine politische Argumentation entwickeln und Rechte für „solche Art Menschen“ einfordern.

    Was bitteschön ist daran „natürlich gegeben“? Das ist genau der Versuch, solche Praktiken der Kritik zu entziehen, indem die „Wahrheit“, die sie produzieren, in das vorhistorische Reich von Flora und Fauna verlagert wird. Und das vorausgesetzt, kommen solche Historiker wie John Boswell tatsächlich auf die Idee, man könnte ja sowas wie die „Geschichte der Schwulen“ im Mittelalter erzählen, obwohl „der Schwule“ nun einmal keine Tierart, sondern das Produkt einer epistemischen Ordnung ist, die in anderen historischen Räumen keine Geltung mehr beanspruchen darf.

    Das ist eine Erkenntnis, die forschungslogisch so gut abgesichert ist, die auf Zehntausenden Seiten geschichtlich bis ins kleinste Detail entfaltet wurde, dass es einfach von extremer Borniertheit zeugt, wenn du behauptest, dass diese These nichts als die Marotte eines umstrittenen französischen Denkers wäre und „von den entsprechenden Fachhistorikern abgelehnt“ werde. Tut mir leid, aber das ist einfach eine Lüge! Man braucht sich nur die ganzen Publikationen der letzten Jahre durchzuschauen, um zu sehen, dass die essenzialistische Gegenposition zu Foucault zwar existiert, aber nur noch von einer marginalen Gruppe von Autoren vertreten wird, für die man vermutlich keine fünf Finger mehr braucht, um sie zu zählen.

  13. Gravatar Icon 13 lysis 27. Juni 2008 um 16:28 Uhr

    i heart digital life zum Thema …

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