Tolerante Scheißdeutsche IV

Noch in den 1990er Jahren weigerten sich rechte Jugendliche aus einem der Plattenbaubezirke Ostberlins, den Westberliner Bezirk Kreuzberg zu erkunden, mit der Begründung, dass dort so viele Türken wohnten, die alle schwul seien. Sie meinten damit die Verkehrsformen männlicher türkischer Jugendlicher und junger Männer, die bei der Begrüßung Wangenküsse unter Freunden austauschen und wesentlich mehr Umarmungen und physische Kontakte pflegen, als dies für die ostdeutschen heterosexuellen Jugendlichen hinnehmbar schien.

Aus: Michael Bochow, „Homosexualität junger Muslime — Anmerkungen zu gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten unter Männern in Westeuropa“, in: Hans-Jürgen von Wensierski und Claudia Lübcke (Hrsg.), Junge Muslime in Deutschland : Lebenslagen, Aufwachsprozesse und Jugendkulturen (Opladen : Budrich, 2007), 325.