Archiv für Juni 2008

Sexualität und Wahrheit

Damit die Mühe nicht umsonst war und der Beitrag in den Kommentaren untergeht: ein Versuch, Foucaults Auffassung der „Sexualität“ seinen Kritikern etwas näher zu bringen.

Transgenialer CSD in Kreuzberg

Totgesagte leben länger… Trotz der Zersplitterung der linken, queeren Szene und dem beherzten Eingreifen der „23. Hundertschaft“ der Berliner Polizei, haben sich wieder einige Verrückte zusammen gerauft, um dem Kuh‘damm-CSD eine berechtigte, weil politische Alternative zu bieten.
Die Gentrifizierung in den Kiezen gehört genau so wie die auch in den pseudo-queeren Bezirken immer noch aktuelle Diskriminierung von Minderheiten an den Pranger.

Fürchtet Euch Ihr Spießbürger in Kreuzberg und Neukölln, die wütende Demo geht in eine neue Runde, im Kampf gegen:

- Gleichschaltung im Homo-Mainstream
- Nazi-Kult in der Szene und überall
- Polizeigewalt, Gewinnsucht und Geschlechtsdiktate
- Die Verteufelung der Fetischmaske, Sicherheitwahn und Überwachungsstaat
- die Grenzen in den Köpfen, zwischen den Menschen und in der Festung Europa
- Diskriminierungen und Übergrifflichkeiten auf Migrant_Innen und Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Lebensweisen und körperlichen Eigenschaften in der Szene und überall.
- gegen Hartz4 und Militarisierung

Schnallt die Stöckel fest, rüscht das Brusthaar-Toupe auf, vergesst Eure BHs und liebsten Fetischmasken nicht! Schwingt Euch mit uns auf die Strasse! Aber bezahlt wird immer noch nicht!

Transgenialer CSD 2008
28.6.2008
14.00 Uhr
Treffpunkt Hermannplatz

Route: Hermannplatz, Sonnenallee, Holbrechtstrasse, Weserstrasse, Friedelstrasse, Ohlauer Strasse, Reichenberger Strasse, Kottbusser Tor, Adalbertstrasse. Oranienstrasse. Ende am Heinrichplatz.

Die großartige Demo mündet in einer glamourösen Abschlusskundgebung mit Perlen der queeren Subkultur wie Gloria Viagra, KaKoSonia, Edith Schröder, GlitterKlinik, Toni Transit, Tilly Kreuzfeld-Jakob und vielen weiteren Unterstützer_Innen.

OrientalPop als rassistische Projektionsfläche

Seit 4 Jahren arbeite ich in der lesbischen und schwulen Szene immer wieder als Djane (weiblicher Diskjockey). Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß es sehr schwierig ist, Musik aufzulegen, die nicht ausschließlich nord-amerikanisch und west-europäisch ist, sondern auch nordafrikanische, hebräische, indische und türkische Popmusik zu integrieren. Die Musik aus diesen Ländern stößt auf Ablehnung mit der Begründung, sie sei für west-europäische Ohren nicht tanzbar, weil sie zu fremd sei. Da allgemein bekannt ist, daß ich Türkin bin, werden alle Musikrichtungen, sei es Klezmer, Rai, Arabicpop, Türkischpop, als türkisch eingeordnet und somit in einen Topf geworfen, was ich als einen undifferenzierten Eurozentrismus verstehe, weil sie möglicherweise Sexismus und Gewalt gegen Frauen propagieren könnten. So ist es auch einmal passiert, daß ein Mann-zu-Frau-Transe mich fragte, ob ich Musik aus nicht-patriarchalen Ländern hätte, weil gerade die arabische und türkische Kultur besonders patriarchal sei und Gewalt gegen Frauen angewandt würde im Gegensatz zu Deutschland. Hier fällt auf, daß Patriarchat, Sexismus und Rassismus als ein arabisches und türkisches Phänomen betrachtet werden. Sexismus und Frauenfeindlichkeit in westeuropäischen und nordamerikanischen Liedern wird im Gegensatz dazu nicht hinterfragt. Ferner hätte ich, um die Inhalte der Lieder zu verstehen, Übersetzerin sein müssen und keine Djane. Um sicher zu gehen, daß die Texte nicht sexistisch und für alle verständlich sind, müßten dann ausschließlich deutsche Lieder aufgelegt werden. Nichtsdestotrotz achte ich aufgrund meiner politischen Auffassung und Selbstverständnis sehr darauf, daß ich keine rassistischen und sexistischen Lieder auflege. Ich finde es sehr „bemerkenswert“, daß gerade die Inhalte dieser musikalischen Richtungen auf große Beachtung stoßen.

İpek İpekçioğlu, „Vom anderen Ufer. Lesbische und schwule Migrantenjugendliche.“ In: Iman Attia; Helga Marburger (Hrsg.), Alltag und Lebenswelten von Migrantenjugendlichen (Ffm., 2000), 174 Fn. 3.

Homophobie als „moral insanity“

ondamaris zitiert und übersetzt pinknews:

Homophobie ist eine “perverse Krankheit”. Sagt Brasiliens Staatspräsident Lula, bei der Eröffnung der “Ersten Nationalen Konferenz von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transvestiten und Transsexuellen” letzte Woche.

Lula betonte, er werde “alles unternehmen was möglich ist, um Zustimmung für die Kriminalisierung von Homophobie zu erreichen sowie die zivile Partnerschaft” einzuführen.

Brasiliens Staatspräsident Lula bezeichnete Homophobie zudem als “die perverseste Krankheit, die in den menschlichen Kopf imprägniert wurde”.

Da freuen sich Lesben und Schwulen natürlich drüber, aber man sollte doch bedenken, dass Lula in seinen Äußerungen, die die Struktur klassischer Lesben- und Schwulenfeindlichkeit nachahmen, einfach nur „Homosexualität“ gegen „Homophobie“ ausgetauscht hat. Jetzt ist auf einmal Homophobie eine „perverse Krankheit“, und zwar paradoxerweise eine, die nicht bloß geheilt, sondern gleichzeitig bestraft werden muss. (Oder ist die Strafe selbst schon die Therapie?)

Was ich dagegen einzuwenden habe, hab ich hier bereits geschrieben: (mehr…)

With friends like these …

Man hätt‘ sich’s denken können: Wenn die „anti“deutschen Homofreunde Lesben und Schwule mal nicht für ihren Rassismus und die Verteidigung des „kapitalistischen Westens“ instrumentalisieren können, ziehen sie gleich richtig homophob vom Leder!