Das Dauer-Outing des Jörg Haider. Über die Zähigkeit einer falschen Kritik

"Jörg Haider will eh bloß kuscheln"
Die Debatte um die Vorliebe des Austrofaschisten Jörg Haider für junge Männer ist nach seinem Tod wieder hochgekocht, diesmal bebildert mit lustigen Fotos, die zeigen, wie wenig der verheiratete Landeshauptmann spätestens nach seinem taz-Outing im Jahr 2000 noch Probleme damit hatte, sich in der Halböffentlichkeit der Kärntner Party-Szene mit feschen Buben zu vergnügen.

Das erneute Outing zeugt deshalb auch eher von der anhaltenden homophoben Verklemmtheit seiner Gegner, als dass es die Faschisten je in Bedrängnis gebracht hätte. Denn solange Haider programmatisch weiter eine konservative Familienpolitik forcierte, konnten selbst katholische Fundamentalisten wie Ewald Stadler sich mit seinem „unangenehmen“ Privatleben arrangieren. Schließlich hatte Haider den Parteigenossen seine heterosexistische Zuverlässigkeit schon einmal bewiesen, als er 1996 gegen die Streichung der dann 2002 vom Verfassungsgericht aufgehobenen Strafrechtsparagraphen 209 und 220 (homosexuelles „Schutzalter“ von 18 Jahren und „Werbeverbot“ für gleichgeschlechtliche Liebe) stimmte.

Zuletzt versuchte auch der Alpennazi Heinz-Christian Strache, Vertreter des mit Haiders Austritt wieder hegemonial gewordenen deutschnationalen Flügels in der FPÖ, von den notorischen Anspielungen auf die „Homosexualität“ seines Konkurrenten zu profitieren. Dieser habe (so zitierte er in einer TV-Debatte den Klerikalfaschisten Stadler, der kurz nach diesen Äußerungen sebst zur BZÖ gewechselt war) in seiner Partei nicht nur den Freimaurern Unterschlupf gewährt, sondern sei auch „in der Zeitgeist-Disco zu den warmen Brüdern gegangen“.

Geschadet haben diese Angriffe der Popularität des Austrofaschisten allerdings genauso wenig wie die verkorkste Kritik Elfriede Jellineks vor acht Jahren, die Haider allen Ernstes vorgeworfen hatte, er verführe die Massen „mit homophilen Reizen“ — weil ja rassistische Parolen allein nicht genügen, um den Ösi in Wallung zu bringen!

Nach Haiders Ableben tritt nun wohl H.C. Strache die alleinige Führerrolle in der (in Österreich durchaus mehrheitsfähigen) rechtsextremen Szene an — mit noch schmierigerer Rhetorik, noch größerem Widerhall in der Bevölkerung und einem sauberen, heterosexuellen Privatleben, an dem selbst gestandene Antifaschist_innen wie Jellinek nichts mehr auszusetzen haben.


11 Antworten auf “Das Dauer-Outing des Jörg Haider. Über die Zähigkeit einer falschen Kritik”


  1. Gravatar Icon 1 mti 20. Oktober 2008 um 2:30 Uhr

    Wo ist denn bei denen der Faschismus? Das ist doch die reinste Verharmlosung der östereichischen Demokratie, einschließlich der Musterdemokratin Jellinek, die so zu nennen.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 20. Oktober 2008 um 13:28 Uhr

    Mensch, deine Genossen erkennen ja nicht mal darin Faschismus. Auf welcher Seite ist da die Verharmlosung?

  3. Gravatar Icon 3 mti 20. Oktober 2008 um 14:21 Uhr

    Erstmal sind weder bikepunk noch „alter“ meine Genossen, ich kenne die nicht mal. Zweitens muss ich die Kreuz-Leute nicht Faschisten nennen um zu wissen, dass die meine politischen Feinde sind. Oder andersrum: Wenn ich die so nenne, dann spekulier ich damit nur auf die Zustimmung erklärter Antifaschistinnen wie der Jellinek, die eine saudoofe Kritik am Faschismus haben.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 20. Oktober 2008 um 14:43 Uhr

    mti, ich hab wirklich keine Lust, mit dir darüber zu diskutieren.

    Aus Angst, du könntest die Demokratie affirmieren, machst du die Augen einfach zu, wenn du es mit Faschisten und Nazi-Wiedergängern zu tun hast (was übrigens keineswegs dasselbe ist). Dabei habe ich nie behauptet, dass diese Leute die Demokratie einfach abschaffen wollten. Sie demonstrieren vielmehr, dass sich Nazi-Gedankengut mit einem Bekenntnis zur Demokratie ganz gut kombinieren lässt.

    Nur frage ich mich, was der Sinn dabei sein soll, Nazi-Propaganda („rassenreine Kinder“, „lebensunwerte mongoloide Abfallmenschen“, „Volksgenossen“) nicht mehr als solche zu benennen!

  5. Gravatar Icon 5 lysis 20. Oktober 2008 um 15:10 Uhr

    Was die FPÖ angeht, so sind zahlreiche ihrer Kader wegen „Wiederbetätigung“ rechtskräftig verurteilte Nazis. Und auch dem Strache selbst, der etwas vorsichtiger agiert, damit sie ihn nicht sofort drankriegen, darf man laut Gerichtsbeschluss ohne weiteres nachsagen, dass sein Weltbild eine erkennbare „Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut“ aufweist. Offenbar sind noch nicht mal die Richter in Österreich so etepetete wie du, wenn es darum geht, die Sache beim Namen zu nennen!

  6. Gravatar Icon 6 mti 20. Oktober 2008 um 15:10 Uhr

    Du nennst Strache „Alpennazi“ und Haider „Austrofaschisten“. Um die „mogoloiden Abfallmenschen“-Sprüche von den Katholiken ging es mir nicht. Dazu hab ich was in deinem Blog geschrieben.

  7. Gravatar Icon 7 lysis 20. Oktober 2008 um 15:19 Uhr

    Du hast hier geschrieben, dass man „die Kreuz-Leute nicht Faschisten nennen“ müsse. Darauf hab ich geantwortet. Ich finde es aber schön, dass du diesen Satz jetzt revidiert hast.

  8. Gravatar Icon 8 mti 20. Oktober 2008 um 15:41 Uhr

    ja. war ein fehler. hatte auch die ganze zeit kath.net im kopf. weiß nicht warum.

  9. Gravatar Icon 9 mti 20. Oktober 2008 um 16:43 Uhr

    ich bleibe allerdings dabei, das „faschisten“ als kritik ein bisschen dünn ist. das ist son bisschen wie gegen hitler agitieren, mit dem argument er sei ja ein nazi. aber ich denk mal da haben wir keinen widerspruch. btw, das ist auch die einfache erklärung für’s nichts-tun der sog. antifa – die erkennen einen politischen feind nicht, wenn er ihnen die parolen ins gesicht sagt, solang er kein „thor steinar“ trägt und keine glatze hat und seinen verein nicht kameradschaft nennt.

  10. Gravatar Icon 10 lysis 20. Oktober 2008 um 17:02 Uhr

    Ja, aber was willst du denn zu Faschisten auch groß sagen? Ich finde, man kann Bürger kritisieren, Nazis kann man nur aufs Maul hauen. Deren Ideologie ist so bodenlos, dass es keine gemeinsame Argumentationsgrundlage mehr gibt. Man kann diese Leute vielleicht erklären, wie man irgendein Objekt erklärt, aber mit ihnen rechten ist schon verkehrt.

  11. Gravatar Icon 11 lysis 20. Oktober 2008 um 17:08 Uhr

    Du kennst ja das Wort von Marx: manche Dinge sind einfach „unter dem Nivau der Kritik“.

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