Studie widerlegt rechte Hetzer

Queer.de macht auf eine neue Studie der Universität Amsterdam aufmerksam, die einmal mehr zeigt, wie sehr die rassistischen Beschuldigungen der letzten Jahre in Punkto homophober Gewalt auf purer Phantasie beruhten:

Demnach gehe Aggressivität vor allem von jungen Holländern mit niedrigem Bildungsstand aus. Diese sähen der Studie zufolge Schwule als „Raubtiere, die jeden Moment zuschlagen“ könnten. In 40 Prozent der gewalttätigen Überfälle griffen die Täter an, weil sie dächten, Schwule wollten sie „verführen“. In diesen Kreisen würden Schwule nur akzeptiert werden, wenn sie sich nicht „zu schwul“ verhielten. Daher müsse gerade unter unterdurchschnittlich gebildeten Jugendlichen Aufklärungsarbeit betrieben werden. […]

Anders als von einer Reihe von rechtsgerichteten Politikern immer wieder behauptet, stellten islamisch orientierte Migranten nicht die Hauptgruppe unter den Tätern: Bei nur 16 Prozent der Täter handele es sich um „Nicht-Weiße“, heißt es in der Statistik. Die große Mehrheit der Täter seien eingeborene Niederländer. Allerdings ist der Anteil von Migranten in der Hauptstadt offenbar höher: Der Amsterdamer Studie zufolge sind 36 Prozent der Täter marokkanischer Herkunft, obgleich sie nur 16 Prozent der Bevölkerung stellen. Jedoch gehören Marokkaner in der Hauptstadt auch überdurchschnittlich der bildungsfernen Schicht an, die unabhängig von Herkunft und Religion homophober eingestellt ist.

Hinzuzufügen ist, dass bei den Zahlen aus Amsterdam neben der größeren Bildungsferne vor allem auch das erheblich niedrigere Durchschnittsalter von Migrant_innen als statistischer Zerrfaktor eine Rolle spielt. Aber Rassismus ist ja bekanntlich gegen jede Empirie immun.

PS: Siehe auch den lesenswerten Kommentar von Queer-o-mat zur jüngsten „Moslem“-Debatte in Berlin.


13 Antworten auf “Studie widerlegt rechte Hetzer”


  1. Gravatar Icon 1 Earendil 25. November 2008 um 15:35 Uhr

    Ganz guter Artikel, aber die rassistische und islamophobe Scheiße, die sich da in den Kommentaren ausbreitet, ist echt widerlich:

    „Von dieser Studie würde ich ja gern mal die Rohdaten nach ethnischer Zusammensetzung und Religion der Täter sehen!

    Man kennt das ja auch von Berichten zu Gewalt in Deutschland: da wird jeder mit deutscher Staatsbürgerschaft zum Deutschen erklärt, und schnell jeder der in Deuschland geboren ist zum Einheimischen.

    Wenn beides nicht funktioniert, dann erklärt man den in der Türkei geborenen und und ohne deutsche Staatsbürgerschaft etwa in Köln lebenden schnell mal zum „Kölner“.“

    „Es gibt in diesem Kulturkreis massive Probleme und diese werden nach Europa mitgebracht.“

    usw. usf.

    :-& :-& :-&

  2. Gravatar Icon 2 asdf 26. November 2008 um 23:08 Uhr

    16% – das ist aber deutlich über Durchschnitt.
    die Studien aus Deutschland dazu sind ja eh rassistische Scheisse, nicht?
    egal.

  3. Gravatar Icon 3 lysis 27. November 2008 um 5:11 Uhr

    Der „Ausländeranteil“ in den Niederlanden beträgt 17%. Dazu kommen diejenigen „Nicht-Weißen“, die längst eingebürgert sind. Das heißt, von den Zahlen her zu urteilen hätten wir es in Sachen antischwuler Gewalt mit einer Überrepräsentation von weißen Niederländern zu tun.

    Die Zahlen in Deutschland weisen übrigens in dieselbe Richtung. Obwohl der Anteil von „Migrant_innen“ an der Berliner Innenstadtbevölkerung im tatrelevanten Alter (unter 40 Jahre) bei nahezu 50% liegt, extrapolierte das Schwule Überfalltelefon Berlin über die letzten Jahre hinweg einen tatsächlichen migrantischen Täterteil von nur 36%. Das heißt, von den Statistiken her zu urteilen wären weiße Deutsche bei schwulenfeindlicher Gewalt eindeutig überrepräsentiert.

  4. Gravatar Icon 4 xing 28. November 2008 um 14:38 Uhr

    nicht nur, dass dein statistisches Material – soweit nicht belegt – frei erfunden ist. 50% migrantischer hintergrund. jaja mit amis, franzosen, italienern, russen ab 1945 gerechnet. aber selbst wenn ich das außer acht lasse, du kannst halt nicht mal rechnen.
    von theorie hast du auch keine ahnung. warum schreibe ich also hier? keine ahnung.

  5. Gravatar Icon 5 lysis 28. November 2008 um 15:41 Uhr

    Ja, ich weiß auch nicht, warum du hier schreibst. Das muss du dir schon selber beantworten. Ich hab dich jedenfalls nicht eingeladen.

    Was die Daten angeht, beziehe ich mich hier auf Alexander Zinn vom LSVD, der nun wahrlich nicht als „Muslimfreund“ bekannt ist. Er schreibt (und meint das durchaus demagogisch):

    Was bedeutet es für Schwule und Lesben, wenn in den Berliner Innenstadtbezirken, in denen die schwul-lesbische Szene zu Hause ist, bald mehr unter 40-jährige EinwandererInnen (sic!) als Deutsche leben?

    In der Fußnote bezieht sich Zinn hierbei auf den Stadtsoziologen Hartmut Häußermann (2003), laut dessen Prognose dies „in den Berliner Innenstadtbezirken im Jahr 2010 der Fall sein“ würde.

    Hierbei ist der von mir bereits verlinkte Altersbaum zu beachten, der deutlich zeigt, dass unter Migrant_innen die Altersgruppe der 15-bis-40-Jährigen fast doppelt so stark vertreten ist, als dies vergleichsweise unter Deutschen der Fall ist.

    Wenn man also die offiziellen „Ausländerquoten“ der Bezirke innerhalb des S-Bahn-Rings nimmt (ca. 20% bis 25% anno 2003, wobei man im Falle Neuköllns eigentlich nur Nordneukölln diesseits des S-Bahn-Rings mitzählen dürfte, wo die sog. „Ausländerquote“ noch einmal deutlich höher liegt, als die 21,7% in der Tabelle vermuten lassen; und ähnlich im Falle Pankows, wo alles nördlich des Prenzlauer Bergs schlicht irrelevant ist), dann die bereits eingebürgerten Migrant_innen und ihre Kinder hinzurechnet und schließlich noch den Korrekturfaktor für das Alter einfügt, erscheint die Quote von beinahe 50% in der Altersgruppe der Unter-40-Jährigen keineswegs als zu hoch gegriffen, sondern sogar als ziemlich realistisch.

    In der tatrelevanten Altersgruppe der 15- bis 40-Jährigen ist diese Quote sogar mit Sicherheit heute schon erreicht.

    Das heißt: von einer Überrepräsentation so genannter migrantischer Täter in Sachen antischwuler Gewalt kann überhaupt nicht die Rede sein, auch wenn rechte Hetzzeitungen wie die Jungle World das in der Vergangenheit nahezulegen versuchten. Vermutlich ist sogar das Gegenteil der Fall. Aber dafür müsste man genauere Zahlen haben, die — jedenfalls mir, aber auch dem LSVD — so nicht verfügbar sind.

    Und dabei hab ich noch nicht einmal angefangen, Arbeitslosigkeit und Schichtzugehörigkeit zu berücksichtigen. Die Arbeitslosenquote ist schon von daher relevant, weil Arbeitslose stärker auf der Straße präsent sind als Leute, die einer geregelten Vollzeitarbeit nachgehen. Und Schichtzugehörigkeit wiederum korreliert in hohem Maße mit physischer Gewaltauffälligkeit, aber auch (s.o.) mit manifest homophoben Einstellungen.

    Ein letzter wichtiger Faktor ist schließlich auch, in welchen Bezirken die Parks und Cruising-Gegenden der schwulen Szene liegen, da hier der Hauptteil der Übergriffe stattfindet. Alles dies zu berücksichtigen, ist im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit, weshalb jede Statistik, die den Anspruch erhebt, Auskunft über ethnische Über- oder Unterrepräsentation zu geben, schlicht unseriös zu nennen ist.

    Es kommen auch noch einige weitere Faktoren dazu, wie z.B. die Tatsache, dass Migrant_innen häufiger angezeigt werden, der Tatvorwurf sich aber seltener erhärten lässt. Das heißt, die rassistische Beschuldigungsbereitschaft ist höher, wie ja allein du schon demonstrierst.

    Aber ich denke, das, was ich aufgezählt habe, reicht erst mal völlig aus, um meinen Punkt rüberzubringen: es gibt keinen Nachweis, dass Migrant_innen an antischwuler Gewalt in irgendeiner Weise stärker beteiligt wären, als dies ihrem Anteil an der Bevölkerung bzw. den tatrelevanten sozialen Schichten entspricht. Eher ließe sich das Gegenteil vermuten.

  6. Gravatar Icon 6 antifaunited 30. November 2008 um 9:26 Uhr

    das diese widerlegt wurden, habe ich letztens bei queer.de gesehen, denn die permanent intelligenzfreien hetzer sind irgendwie weg. zumindest ist der oberhetzer nicht mehr da.

    trotzdem scheinen diese typen nicht auszusterben: http://antifaunited.files.wordpress.com/2008/11/au2.gif

    http://antifaunited.files.wordpress.com/2008/10/sshot1.jpg

  7. Gravatar Icon 7 lysis 30. November 2008 um 11:29 Uhr

    wer ist der oberhetzer? einer von diesen gay-west-typen?

  8. Gravatar Icon 8 antifaunited 01. Dezember 2008 um 17:14 Uhr

    Naja, der hat sich immer fürchterlich aufgeregt, wenn ich einen liedtext der leipziger band „die prinzen“ zitiert habe: „….es gibt manchen der sich gern über kanacken beschwert und zum ficken jedes jahr nach thailand fährt….“, gehört offensichtlich den „antideutschen“ an und bezeichnet jede kritik an den usa als „antiamerikanismus“(als ob amerika ein staat wäre….) und ebenso jede kritik an israel als „antisemitismus“.
    menschenrechte sind ihm ein graus. auser4dem neoliberale einstellung und hang zu PI.

    hat hier auch schon seinen müll asbgeladen.

  9. Gravatar Icon 9 lysis 02. Dezember 2008 um 8:02 Uhr

    Unter welchem Nick denn?

  10. Gravatar Icon 10 barebacking2009 06. Dezember 2008 um 8:51 Uhr

    Doch woher kommt diese Homophobie? “Das hat gar nicht so viel mit dem Islam zu tun”, sagt der Kölner Islamwissenschaftler Andreas Ismail Mohr. “Es gibt im Koran selbst kein explizites Verbot von Homosexualität.” Die Ablehnung habe eher kulturelle Gründe.
    http://barebacking2009.wordpress.com/2008/12/05/schwul-muslim-deutschturke/

  11. Gravatar Icon 11 antifaunited 07. Dezember 2008 um 17:32 Uhr

    @lysis: Unter anderem unter: Fred, Fred/Israel, Shalom, Sabbat, Antifa_United(bei gayromeo.com als Club), Abenlandbewohner, u.v.a.

  1. 1 Homophob sind immer die anderen | gender:queer Pingback am 17. Dezember 2008 um 19:05 Uhr
  2. 2 Rechtsextreme Hetze - Durch Studie knallhart widerlegt! « Queer denken, Queer handeln, Queer leben Pingback am 02. Februar 2009 um 19:21 Uhr
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