Archiv der Kategorie 'Überwachen und Strafen'

Die Psychoanalyse als Strafvollzugsorgan

Mit der Psychoanalyse bin ich noch nicht ganz fertig. Bemerkenswert finde ich zuletzt, wie freimütig sich Analytiker dem Staat als Agenturen der sozialen Kontrolle zur Verfügung stellten, während sie gleichzeitig mit dem Anspruch hausieren gingen, sich — im Unterschied zum bösen Behaviorismus — der Emanzipation des Individuums verschrieben zu haben. Wikipedia dazu:

Der Aufstieg der Psychoanalyse popularisierte die Idee von Homosexualität als Krankheit. Dies vergrößerte die Zahl von Homosexuellen, die in Irrenanstalten und Gefängnissen untergebracht wurden. Forscher versuchten, eine Reihe von Therapien zu benutzen, um Homosexualität zu „heilen“, einschließlich Aversionstherapie, Übelkeit erregende Drogen, Kastration, Elektroschocks, Hirnchirurgie und Brustamputationen.

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Lesbisch-schwuler Widerstand in Uganda

Erstmals hat sich in Uganda eine Gruppe von Lesben und Schwulen öffentlich zu Wort gemeldet, um die postkolonialen Gewaltverhältnisse in dem christlich dominierten Land zu skandalisieren:

Uganda ächtet männliche Homosexualität nach Gesetzen, die [dem Land] ursprünglich von den britischen Kolonisatoren im 19. Jahrhundert auferlegt wurden. Zuwiderhandelnde müssen im schlimmsten Fall mit einer lebenslänglichen Haftstrafe rechnen. Lesben und Schwule sind der Selbstjustiz homophober Mobs ausgesetzt, besonders in ländlichen Gegenden, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebt. […]

Die Gruppe rief in ihrer Pressekonferenz dazu auf, das Sodomiegesetz abzuschaffen, die Polizei strengeren Kontrollen zu unterwerfen und HIV/Aids-Material für Männer zu verteilen, die Sex mit Männern haben.

Aus Angst, identifiziert zu werden, trugen die Vertreter der Gruppe Masken, während sie mit den Journalisten sprachen.

Lesbische Iranerin abschieben

(queer.de) – Eine 31-jährige lesbische Iranerin soll einem endgültigen Gerichtsbeschluss zufolge aus Deutschland ausgewiesen werden. Die derzeit in Berlin lebende Jasmin K. erklärte gegenüber Medien, dass sie in ihrer Heimat die Hinrichtung durch Steinigung erwarte. Ihre Anwältin Eva Lindemeier legte zudem ein Urteil vor, nach dem ein iranisches Gericht die Frau bereits im vergangenen Jahr zum Tode verurteilt habe – in deren Abwesenheit.

Das Berliner Gericht berief sich in seiner Entscheidung allerdings auf ein Gespräch von Beamten des Außenministeriums mit der Mutter der Asylbewerberin. Die habe die Homosexualität ihrer Tochter abgestritten. Lindemeier dazu im „Tagesspiegel“: „Das ist absurd. Die haben einer iranischen Frau von zwei ihr unbekannten Männern Fragen stellen lassen, deren ehrliche Beantwortung nicht nur peinlich, sondern für den Ehemann tödlich sein könnte.“ Der Ehemann ist beschuldigt worden, seiner Tochter zur Flucht verholfen zu haben.
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Kelek und die Mullahs: ein Herz und eine Seele

Der „islamkritische“ Blogger cliff cosmos ist schon ein komischer Vogel. Gerade eben zitierte er noch einen Hassartikel von Necla Kelek, in dem Sex zwischen Männern und Jugendlichen in muslimischen Ländern kurzerhand mit „Knabenvergewaltigung“ gleichgesetzt wird, schon führt er einen Beitrag später die International Gay & Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) an, die genau die gleiche Einstellung den iranischen Mullahs zum Vorwurf macht:

In der iranischen Gesetzgebung – und nach Meinung vieler Iraner – ist Homosexualität mit Vergewaltigung, Inzest und Kindesmisshandlung gleichgesetzt […]

Aber den naheliegenden Schluss, dass Kelek und der staatlich-repressive Feminismus, den sie verkörpert, in dieser wie in so vielen anderen Fragen eines Sinnes mit den Mullahs sind, zieht cliffi nicht. Dabei könnte man aus diesem Vergleich einiges lernen. Zum Beispiel über die ungewollte Kollaboration von Islamisten und westlichen „Liberalen“ bei der Heteronormierung der Welt.

New Iraqi Gay Murders Confirmed

Ein Artikel auf Direland über neue Morde irakischer Todesschwadronen:

„A new wave of assassinations of Iraqi gays – part of the organized campaign of „sexual cleansing“ of homosexuals that has been one of the saddest byproducts of the Anglo-American invasion and occupation of Iraq – has been confirmed by Iraqi LGBT, the all-volunteer, London-based group of gay Iraqi exiles that has been documenting the grim work of the Islamist anti-gay death squads in Iraq.
Ali Hili (left) is the 33-year-old gay Iraqi exile who founded Iraqi LGBT three years ago in London with 30 other gay Iraqis, and is now the group’s coordinator. Iraqi LGBT has members, supporters, and informants throughout Iraq, with whose help the group has been able to document and confirm a bloody harvest of assassinations by fanatically anti-gay Islamist enforcers.
Hili told me this week of the following new confirmed murders and arrests of gay Iraqis, all of which occurred at the beginning of this month. (Pseudonyms have been used for those still living to protect their safety.)
Mustafa, 26, was a well-known gay man in his neighborhood in the city of Najaf, south of Baghdad, who went out for a walk with a friend to shop for clothes. Mustafa was stopped and arrested by the local militia of the Badr Corps – the armed branch of the Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq (SCIRI), which is the largest Shia political formation in Iraq.
The Badr Corps was integrated into the Ministry of the Interior’s police last year, and its anti-gay death squads since then have operated with full police powers.
Mustafa was separated from his friend, taken to an isolated area, and shot and killed on the spot by the Badr militia, reported Haydar, an Iraqi LGBT member in Najaf.
Ali, a gay lad of 17, was also killed in Najaf in early July.
„One of our main sources in Najaf told us that his young friend Ali had been killed for his gay behavior and his sexuality, “ Hili told this reporter, adding, „Ali’s mother told our source during a phone conversation that her son had disappeared, only to be later found shot to death in a nearby neighborhood.“
[…]
These latest murders bring to nearly 400 the total number of assassinations targeting gays which Iraqi LGBT has been able to confirm since it began to document the murderous campaign of sexual cleansing being waged by hard-line religious elements. This drive began with the death-to-gays fatwa issued in October, 2005 by the Grand Ayatollah Ali al-Sistani (left), the 79-year-old Iranian born-and-trained chief spiritual leader of all Iraqi Shia Muslims.“