Noteworthy

Über die Produktion rassistischer Erfahrung.
Das Beispiel Siegessäule

Paragraph 175, die Schmach des JahrhundertsVor etwa einem Monat hat Maneo, das für seinen penetranten Rassismus bekannte schwule Überfalltelefon, zum „Tag gegen Homophobie“ am 17. 5. eine öffentlichkeitswirksame Kiss-In-Aktion veranstaltet. Kurioserweise stellte es das Datum nicht mehr, wie früher in der Schwulenbewegung allgemein üblich, in ein symbolisches Verhältnis zum § 175, dem berüchtigten deutschen Anti-Homosexuellen-Gesetz, das vier Systeme überdauerte und über Hunderttausend Menschen ins Gefängnis brachte oder in den Selbstmord trieb. Nein, das Datum soll jetzt an etwas Positiveres erinnern: die Streichung von Homosexualität aus der „International Classification of Diseases“ (ICD) — dem Krankheitskatalog der WHO.

Dass dies gerade am 17. Mai 1990 passierte — als ob’s ein Zufall wäre! —, zeigt, dass die Bedeutung des 175ers, mit dem nicht nur Adenauer, sondern auch die Nazis operierten, international höher angesetzt wird als am Ort des Verbrechens selbst: in Deutschland, das die härteste Homosexuellenverfolgung des 20. Jahrhunderts, ja der Geschichte überhaupt zu verbuchen hat. Hierzulande wird man nicht gern daran erinnert, dass einmal — und es ist nicht lange her — Staat und Volksgemeinschaft so einmütig gegen Schwule standen, dass der Paragraph im Jahr 1969 nur gegen den Willen der Mehrheit aus seiner Nazi-Fassung entschärft werden konnte. Hierzulande, wo es der Denunzianten-Mob besonders schlimm trieb, möchte man das Problem lieber auf die „Ausländer“ abwälzen.

Diesem Zweck diente nicht nur die wissenschaftlich extrem unseriöse Befragung über antischwule Gewalt, die Maneo kurz vorher veröffentlicht und entsprechend kommentiert hatte. Diesem Zweck dient auch der aktuelle Siegessäule-Report von Martin Reichert über die Maneo-„Kiss-In“-Aktion in fünf Berliner Bezirken, welche vom Autor argumentlos als „problematisches Pflaster“ identifiziert werden. (mehr…)

Zur Kritik der Ethnisierung antischwuler Gewalt am Beispiel Jörg Fischers

Der schwule Journalist Jörg Fischer hat einen langen und einigermaßen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Bis 1991 Redakteur der „Nationalzeitung“, dem Presseorgan der rechtsextremen DVU, gelang es ihm nach seinem Bruch mit der organisierten Neonazi-Szene, sich bei zahlreichen Stiftungen und Institutionen als gefragter Rechtsextremismus-Experte zu profilieren. Gleichzeitig suchte er nach einer neuen politischen Heimat, zunächst in der PDS, dann in der trotzkistischen (und moderat antizionistischen) SAV. Doch auch das ist längst passé, denn Fischer wechselt seine Überzeugungen offenbar schneller als seine Hosen. Deshalb macht er, zum Fan der bürgerlichen Demokratie und des “freien Westens” geläutert, sich gerade zum Lautsprecher der israelischen Außenpolitik.

Diese Hintergründe erklären ein bisschen, warum Fischer plötzlich wieder in die altbewährte Kiste der Ausländerbedrohungsszenarien greift. Wenn der Islamismus für Israel eine Gefahr ist, dann soll es der Islam auf einmal auch für deutsche Homos sein. Offenbar geht es Fischer und dem ihn publizierenden Online-Magazin Hagalil darum, eine Art Interessenkonvergenz zwischen Schwulen und Israelis auf dem Rücken der hier lebenden türkischen Migrant_innen zu konstruieren, die mit dem Nahostkonflikt doch eigentlich gar nichts zu tun haben. (Tatsächlich ist die Türkei einer der wenigen Verbündeten Israels, was aber Fischer in seiner pauschalen Feinderklärung gegen Muslime herzlich wenig zu stören scheint.)

Doch schauen wir uns Fischers fraglichen Hetzartikel etwas näher an. (mehr…)

Life and Death in Queer Korea


Eine Artikelreihe auf The GULLY über die Situation Schwuler und Lesben in Korea, einem der konservativsten asiatischen Länder.
Life and Death in Queer Korea. Intro: Appetite for Conformity – Isolated South Korea fears and rejects difference, Part 1: A Queer Exorcism – How religion and violence shadow lgbt Koreans, Part 2: Homo Koreanus – Under the official microscope, Part 3: Civil Rights and Wrongs – Taking on Korean law, imagination, and Internet.

„I remember very clearly the first time my cell phone rang late at night on the Spring of 1995. I answered it and a male voice hissed in my ear, „Go burn in hell!“ The next night, another anonymous phone voice spat, „I‘m gonna kill you.“

Almost every night for a year my cell phone was bombarded with hateful, threatening voices. I had done something terrible and dirty. I had become a public homosexual, co-founding Come Together, South Korea’s first queer student activist group.

My life on campus changed. Violence became a daily possibility, sometimes a reality. Once, friends whom I had known since elementary school physically assaulted me for being a gay man.

That Fall I organized the first Sexual Politics Festival on campus. Right after the festival started, a group of Christian fundamentalist students holding red crosses marched on the LGBT students‘ exhibit. They circled our kiosks, praying and singing hymns. I realized they were reenacting that passage in the Book of Joshua where God tells the people to circle the town of their enemies seven times while praying and when they do so the town is demolished by God’s hand. In this case, when the kiosks didn‘t come tumbling down, the Christian fundamentalists tried to smash them with their crosses. „