Tag-Archiv für 'islamismus'

Die Vertreibung aus dem Serail

Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen WeltDas von uns bereits im Juli ankündigte Buch Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt ist heute an den Verlag ausgeliefert worden und gelangt in den nächsten Tagen auch in den Buchhandel. Hier der Klappentext:

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.

Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet der Autor die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskriminierung in der islamischen Welt und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.

Wir würden uns freuen, wenn ihr dafür Werbung macht!

Cosmoproletarian Solidarity

„Gleiche Rechte jetzt“, die Frauenorganisation der Arbeiterkommunistischen Partei Iran, ruft am Internationalen Frauentag, dem 8. März, zu einer Demonstration in Berlin auf, um „Solidarität mit den ungehorsamen Frauen im Iran, in Afghanistan und weltweit“ zu zeigen:

Die Rebellion der St. Petersburger Arbeiterinnen und Kriegswitwen am 8. März 1917 war der Startschuss für den Sturz der zaristischen Tyrannei. Heute ist die Frauenrechtsbewegung im Iran wieder die Vorhut einer revolutionären Bewegung der Freiheit und Gleichheit. Während bedauerlicherweise weite Teile der hiesigen Linken sich in ihren ideologischen Schützengräben eingraben und Emanzipationspotenzial entweder in US-amerikanische F16-Bomber oder in eine Querfront mit den religiösen Faschisten des Politischen Islam hineinfabulieren, zeigt sich für jeden und jede, der und die projektionsfrei auf den Iran blicken, unzweifelhaft wer das Subjekt für eine fortschrittliche Perspektive ist. Die freiheitsliebende Bevölkerung des Irans bringt ihren Protest gegen das menschenverachtende Mullah-Regime Tag für Tag zum Ausdruck – auf der Straße, in den Universitäten, in den Fabriken, in Kurdistan. […]

Wir wollen deutlich machen: die unüberwindbare Konfliktlinie verläuft nicht zwischen dem sich als Kultur generierenden Politischen Islam und dem US-amerikanischen und EU-europäischen Ordnungsimperialismus, sondern zwischen der Barbarei der Religion und der Kapitalherrschaft einerseits und dem Freiheitsdurst der Frauen und anderen freiheitsliebenden Menschen andererseits. Unsere Solidarität gebührt dem mutigen Widerstand der ungehorsamen und ketzerischen Menschen im Iran, Afghanistan und anderswo.

Treffpunkt um 13 Uhr am Frankfurter Tor. Kommt zahlreich!

Replik auf Samuel Laster

Der Chefredakteur der Online-Zeitung „Die Jüdische“ hat freund­licherweise meine Kritik an den verfehlten Angriffen auf Joseph Massad, einen palästinensisch-amerikanischen Autor und Professor an der New Yorker Columbia-Universität, einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, wenngleich seine Intention wohl eher darin bestanden haben dürfte, mich zurechtzuweisen. Schon im ersten Absatz zeiht Samuel Laster mich der „haarspalterischen Auslegung“, wo es doch dem von mir angegriffenen Journalisten Karl Pfeifer nur um eine sachliche Ausein­andersetzung ging, als er Massad vorwarf, „gegen die Menschen­rechte von Homosexuellen in der arabischen Welt“ zu sein. Ich dagegen erkannte darin nichts als billige Polemik, die von einer augenscheinlichen Überforderung durch Massads Text zeugt.

Kurz zur Erinnerung: Massad hatte in einem Artikel aus dem Jahr 2002, der sich auch in seinem neuen Buch Desiring Arabs wiederfindet, kritisiert, dass ein Konglomerat internationaler Lesben- und Schwulenorganisationen „zu Diskursen über Homosexuelle anreizt, wo vorher keine existierten“ und damit eine Menschensortierung vorantreibt, deren Endeffekt nicht etwa die von ihr erhoffte „Schaffung eines queeren Planeten, sondern die eines Hetero-Planeten“ sein würde. (mehr…)

Ali Mahdjoubi: eine Jugend im Iran

Jetzt, wo mit den letzten beiden Ausgaben der Jungle World, einer Wochenzeitung kriegsversessener Ex-Linker, die rassistische Hetze gegen Araber/Muslime und ihre „pathologische Sexualität“ wieder losgeht, recycle ich doch mal ein paar ältere Sachen zum Thema. Anfangen möchte ich mit Ausschnitten aus einem Vortrag von Ali Mahdjoubi, einem linken Exiliraner, der von seiner Jugend in Persien und dem Leben heute unter den Mullahs berichtet: (mehr…)

Zur Kritik der Ethnisierung antischwuler Gewalt am Beispiel Jörg Fischers

Der schwule Journalist Jörg Fischer hat einen langen und einigermaßen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Bis 1991 Redakteur der „Nationalzeitung“, dem Presseorgan der rechtsextremen DVU, gelang es ihm nach seinem Bruch mit der organisierten Neonazi-Szene, sich bei zahlreichen Stiftungen und Institutionen als gefragter Rechtsextremismus-Experte zu profilieren. Gleichzeitig suchte er nach einer neuen politischen Heimat, zunächst in der PDS, dann in der trotzkistischen (und moderat antizionistischen) SAV. Doch auch das ist längst passé, denn Fischer wechselt seine Überzeugungen offenbar schneller als seine Hosen. Deshalb macht er, zum Fan der bürgerlichen Demokratie und des “freien Westens” geläutert, sich gerade zum Lautsprecher der israelischen Außenpolitik.

Diese Hintergründe erklären ein bisschen, warum Fischer plötzlich wieder in die altbewährte Kiste der Ausländerbedrohungsszenarien greift. Wenn der Islamismus für Israel eine Gefahr ist, dann soll es der Islam auf einmal auch für deutsche Homos sein. Offenbar geht es Fischer und dem ihn publizierenden Online-Magazin Hagalil darum, eine Art Interessenkonvergenz zwischen Schwulen und Israelis auf dem Rücken der hier lebenden türkischen Migrant_innen zu konstruieren, die mit dem Nahostkonflikt doch eigentlich gar nichts zu tun haben. (Tatsächlich ist die Türkei einer der wenigen Verbündeten Israels, was aber Fischer in seiner pauschalen Feinderklärung gegen Muslime herzlich wenig zu stören scheint.)

Doch schauen wir uns Fischers fraglichen Hetzartikel etwas näher an. (mehr…)