Tag-Archiv für 'islamophobie'

MP3 zu „Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt“

Hier ein Ausschnitt aus einem Vortrag zum Buch Die Vertreibung aus dem Serail, der am 6. September auf der Antifa-Konferenz in Köln gehalten wurde. Im Audio sind die letzten 14 Minuten des Referats und die anschließende einstündige (!) Diskussion enthalten, an der, sehr zu meiner Erheiterung, auch die „hardcore-antideutsche“ Georg-Weerth-Gesellschaft Köln teilnahm:

Am kommenden Donnerstag (11. Dezember) gibt’s an der FU Berlin — in der Rost-/Silberlaube, Hörsaal 2 — um 16 Uhr einen weiteren Vortrag zum Thema, allerdings mit einem anderen Text und einem etwas anderen inhaltlichen Schwerpunkt.

Eine kleine, nachträgliche Korrektur zum Vortrag noch: „Homosexuellen“ (sexual deviants) war die Einreise in die USA nicht etwa nur bis in die 70er Jahre, sondern in der Tat bis 1990 durch das amerikanische Einwanderungsgesetz untersagt.

Interview mit Radio Corax

Thema: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt

Bilder über den Islam sind in Europa ziemlich simpel strukturiert. Moslems oder Islamisten – egal, die werden schnell in einen Topf geworfen, die seien aggressiv, die verabscheuten die westliche Kultur, unterdrückten die Frauen und hassten Homosexuelle. Ironischerweise hat gerade der Westen während der Kolonialisierung diese Sichtweisen in der Islamischen Welt geprägt. Vorher sah die ganz anders und viel toleranter aus… Georg Klauda hat sich literarisch mit der Herkunft der Heteronormativität im Islam befasst. Dazu hat ihn Radio Corax am Telefon interviewt.

(via freie-radios.net)

Studie widerlegt rechte Hetzer

Queer.de macht auf eine neue Studie der Universität Amsterdam aufmerksam, die einmal mehr zeigt, wie sehr die rassistischen Beschuldigungen der letzten Jahre in Punkto homophober Gewalt auf purer Phantasie beruhten:

Demnach gehe Aggressivität vor allem von jungen Holländern mit niedrigem Bildungsstand aus. Diese sähen der Studie zufolge Schwule als „Raubtiere, die jeden Moment zuschlagen“ könnten. In 40 Prozent der gewalttätigen Überfälle griffen die Täter an, weil sie dächten, Schwule wollten sie „verführen“. In diesen Kreisen würden Schwule nur akzeptiert werden, wenn sie sich nicht „zu schwul“ verhielten. Daher müsse gerade unter unterdurchschnittlich gebildeten Jugendlichen Aufklärungsarbeit betrieben werden. […]

Anders als von einer Reihe von rechtsgerichteten Politikern immer wieder behauptet, stellten islamisch orientierte Migranten nicht die Hauptgruppe unter den Tätern: Bei nur 16 Prozent der Täter handele es sich um „Nicht-Weiße“, heißt es in der Statistik. Die große Mehrheit der Täter seien eingeborene Niederländer. Allerdings ist der Anteil von Migranten in der Hauptstadt offenbar höher: Der Amsterdamer Studie zufolge sind 36 Prozent der Täter marokkanischer Herkunft, obgleich sie nur 16 Prozent der Bevölkerung stellen. Jedoch gehören Marokkaner in der Hauptstadt auch überdurchschnittlich der bildungsfernen Schicht an, die unabhängig von Herkunft und Religion homophober eingestellt ist.

Hinzuzufügen ist, dass bei den Zahlen aus Amsterdam neben der größeren Bildungsferne vor allem auch das erheblich niedrigere Durchschnittsalter von Migrant_innen als statistischer Zerrfaktor eine Rolle spielt. Aber Rassismus ist ja bekanntlich gegen jede Empirie immun.

PS: Siehe auch den lesenswerten Kommentar von Queer-o-mat zur jüngsten „Moslem“-Debatte in Berlin.

Buchbesprechung

In „Rosige Zeiten“ ist eine erste Rezension zum jüngst im Männerschwarm-Verlag erschienenen Buch Die Vertreibung aus dem Serail erschienen. Außerdem gibt es in Halle am 5. November die erste öffentliche Buchpräsentation. Weitere Termine in Leipzig, Berlin und Bielefeld folgen.

Die Vertreibung aus dem Serail

Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen WeltDas von uns bereits im Juli ankündigte Buch Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt ist heute an den Verlag ausgeliefert worden und gelangt in den nächsten Tagen auch in den Buchhandel. Hier der Klappentext:

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.

Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet der Autor die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskriminierung in der islamischen Welt und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.

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