Tag-Archiv für 'paragraph-175'

Epstein/Friedman – Paragraph 175 (USA 2000)

Während sich der Deutsche Filmförderfonds die Pflege des Stauffenberg-Mythos von einem konservativen antifaschistischen Widerstand in Deutschland schon mal 4,8 Mio. Euro kosten lässt, ging der amerikanische Dokumentarfilm Paragraph 175 aus dem Jahr 2000, der die Verbrechen der deutschen „Volksgemeinschaft“ gegen Homosexuelle behandelt, nicht nur leer aus, sondern durfte, wie einer der Regisseure damals auf der Berlinale offenbarte, dem Rechtsnachfolger des „Dritten Reichs“ für die Nutzung des historischen Filmmaterials auch noch horrende Urheberrechtsgebühren überweisen. Herausgekommen ist trotzdem ein kleines Meisterwerk, das zurzeit auf Youtube komplett angesehen werden kann:

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Zeitraffer

In einem Artikel, in dem — in klassisch homophober Sprachregelung — mal wieder von „bekennenden Homosexuellen“ die Rede ist, schreibt SPIEGEL ONLINE:

Vor 40 Jahren wurde der Paragraf 175, der Homosexualität als Straftat brandmarkte, endgültig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Ich wusste gar nicht, dass 1994 schon 40 Jahre zurückliegt. Wie die Zeit verfliegt!

Zum 8. Mai

Ich, Pierre Seel, deportiert und vergessen. Ein Bericht

Für manche der Männer mit dem „Rosa Winkel“ endete ihre Verfolgung keineswegs mit dem 8. Mai 1945. Nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern durch die Alliierten gerieten einige wieder in Haft. Die Freiheitsstrafe nach dem weiterhin gültigen § 175 Strafgesetzbuch (StGB) galt noch nicht als verbüßt. Als Opfer gesellschaftlich weit verbreiteter, völkischer und religiöser Unwertvorstellungen blieben Homosexuelle vor allem in den ersten beiden Jahrzehnten der BRD weiter ausgegrenzt und kriminalisiert. Sicherheit verhieß manchen die „sexuelle Emigration“: dokumentiert sind zahlreiche Fälle von KZ-Überlebenden, die sich noch in den fünfziger und sechziger Jahren „freiwillig“ kastrieren ließen. Viele werden nach dem Grauen der Nazizeit den gesellschaftlich gewünschten Schlussstrich auch durch Rückzug oder Anpassung gezogen haben. Vom erlittenen Leid zu erzählen, Entschädigung zu verlangen oder gar politische Forderungen zu erheben, hieß in der Anfangszeit der neuen Republik, sich eines StGB-Verbrechens verdächtig zu machen und auf geheime „Rosa Listen“ der Polizei zu geraten.

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