Tag-Archiv für 'sexismus'

Sexismus in Weimar

Die Täter-Opfer-Umkehr ist das altbekannte und leider noch immer funktionierende Schema, wenn in der Linken um sexuelle Übergriffe gestritten wird. Deshalb: Solidarität mit der Gerberstraße 1!  

If I can‘t abort, it’s not my revolution

If I can‘t abort, it’s not my revolution“ – Vortrag und Diskussion über die Gesetzgebung zu Schwangerschaftsabbrüchen in verschiedenen Lateinamerikanischen Ländern. In München, im Kulturladen Westend (Ligsalzstr. 44), am Samstag, den 27.09, um 20:00.

OrientalPop als rassistische Projektionsfläche

Seit 4 Jahren arbeite ich in der lesbischen und schwulen Szene immer wieder als Djane (weiblicher Diskjockey). Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß es sehr schwierig ist, Musik aufzulegen, die nicht ausschließlich nord-amerikanisch und west-europäisch ist, sondern auch nordafrikanische, hebräische, indische und türkische Popmusik zu integrieren. Die Musik aus diesen Ländern stößt auf Ablehnung mit der Begründung, sie sei für west-europäische Ohren nicht tanzbar, weil sie zu fremd sei. Da allgemein bekannt ist, daß ich Türkin bin, werden alle Musikrichtungen, sei es Klezmer, Rai, Arabicpop, Türkischpop, als türkisch eingeordnet und somit in einen Topf geworfen, was ich als einen undifferenzierten Eurozentrismus verstehe, weil sie möglicherweise Sexismus und Gewalt gegen Frauen propagieren könnten. So ist es auch einmal passiert, daß ein Mann-zu-Frau-Transe mich fragte, ob ich Musik aus nicht-patriarchalen Ländern hätte, weil gerade die arabische und türkische Kultur besonders patriarchal sei und Gewalt gegen Frauen angewandt würde im Gegensatz zu Deutschland. Hier fällt auf, daß Patriarchat, Sexismus und Rassismus als ein arabisches und türkisches Phänomen betrachtet werden. Sexismus und Frauenfeindlichkeit in westeuropäischen und nordamerikanischen Liedern wird im Gegensatz dazu nicht hinterfragt. Ferner hätte ich, um die Inhalte der Lieder zu verstehen, Übersetzerin sein müssen und keine Djane. Um sicher zu gehen, daß die Texte nicht sexistisch und für alle verständlich sind, müßten dann ausschließlich deutsche Lieder aufgelegt werden. Nichtsdestotrotz achte ich aufgrund meiner politischen Auffassung und Selbstverständnis sehr darauf, daß ich keine rassistischen und sexistischen Lieder auflege. Ich finde es sehr „bemerkenswert“, daß gerade die Inhalte dieser musikalischen Richtungen auf große Beachtung stoßen.

İpek İpekçioğlu, „Vom anderen Ufer. Lesbische und schwule Migrantenjugendliche.“ In: Iman Attia; Helga Marburger (Hrsg.), Alltag und Lebenswelten von Migrantenjugendlichen (Ffm., 2000), 174 Fn. 3.

Maskuliner Michael, femininer Mustafa

Irgendwie erheiternd: bei der Recherche nach Diskursen über
„türkische Maskulinitäten“ bin ich prompt bei diesem Text (PDF!) gelandet. Es handelt sich um „Unterrichtsmaterialien für ein Interkulturelles Training“, veröffentlicht von der TU Braunschweig:

Die Ausprägung von Maskulinität ist in der Türkei mit einem Wert von 45 deutlich geringer als in Deutschland bei einem Wert von 66. […] Merkmale für eine stärkere feminine Ausprägung der türkischen Gesellschaft sind die Betonung des Familienlebens gegenüber der Arbeit. Die Arbeit wird nicht als das einzig Wahre angesehen, sondern das Familienleben hat daneben durchaus eine ähnlich große Bedeutung. Auch die Höherschätzung von persönlichen Beziehungen gegenüber sachlichen Fähigkeiten oder monetären Vorteilen sind ein Merkmal von geringerer Ausprägung von Maskulinität. Und letztendlich ist die Bevorzugung von Familienmitgliedern bzw. Bekannten oder Freunden gegenüber fachlich besser Qualifizierten aber Unbekannten ebenfalls ein Merkmal von femininer Ausprägung im Sinne der Kulturdimensionen nach Hofstede.

Aber auch in Istanbul wird geprotzt: „Die türkische Kultur hat einen Hang zur Femininität“. Haha, ihr Weicheier! ;)

Get practical!

30.4. @ 20 Uhr. Bremen. Schlachthof:

Zeitgleich mit der Eröffnung des Christivals, findet eine Bündnisdemonstration gegen Homophobie und Sexismus statt. Den Extrem-Christen gefällt so viel Aufmerksamkeit gar nicht. Man fragt sich: „Muss Christival-Start von der Polizei geschützt werden?“ Auf jeden Fall wird der zwischen Konservativen und christlichem FundamentalistInnen wabbernde Heterosexismus nicht unwidersprochen bleiben.