Tag-Archiv für 'sodomite'

Inamo Nr. 52 mit dem Schwerpunkt „Sexualitäten“ erschienen

«Diese grausame Sünde der Sodomie ist bei ihnen so völlig straflos, dass die Männer öffentlich prahlen über ihre ekelhaften Taten.» Man könnte vielleicht denken, dies seien die Worten eines arabischen Imams nach dem Besuch eines Schwulenviertels in Berlin oder Amsterdam. Es handelt sich aber um genau das Gegenteil: das Urteil eines Europäers über die arabisch-islamische Welt. Sie wurden geschrieben von Joseph Pitts, der im 17. Jahrhundert etwa fünfzehn Jahre versklavt in Algerien verbrachte.

Auch im vergangenen Jahrhundert hatte die arabische Welt den Ruf, eine Freistätte der freien oder bezahlten homosexuellen Liebe zu sein: für europäische und amerikanische Homosexuellen waren die arabischen Länder bis in die sechziger Jahre ein Paradies der Toleranz im Vergleich zu ihren Heimatländern. Wie kann man dieses Bild der arabisch-islamischen Welt als ein Ort offen praktizierter homosexueller Liebe in Übereinstimmung bringen mit der verbreiteten Intoleranz beispielsweise im heutigen Ägypten oder im Iran.

Michiel Leezenberg, „Der Import des westlichen Identitätsmodells“. In: Inamo Nr. 52 (Winter 2007).

Sotadic Love — ein Orientalist sortiert die Welt

Wenn man über das Thema Kolonialismus, Rassismus und Homophobie spricht, kommt man an einen Mann nicht vorbei: Richard F. Burton, britischer Afrikaforscher und einer der bekanntesten Orientalisten des 19. Jahrhunderts. Wie die meisten seiner Zeitgenossen war Burton ein unerträglicher Rassist, zumindest was seine Haltung gegenüber den Schwarzen betraf. Für sie war in der zivilisierten Welt kein Platz, ihre „Rasse“ zum Untergang verurteilt:

Die Erforschung des Negers ist die Erforschung primitivster menschlicher Denkvorgänge. Wenn ihm nicht jede Fähigkeit zur Fortentwicklung fehlen würde, könnte man den Neger eher für eine Degenerationsform des zivilisierten Menschen als einen wilden auf der ersten Entwicklungsstufe halten. Er ist nicht aus Edelstahl und hat auch keine Anlagen, die nach Erziehung verlangen. Er scheint zu jenen kindlichen Rassen zu gehören, die sich nie in den Rang des Menschentums erheben können. Sie fallen wie abgenutzte Glieder aus der großen Kette der lebendigen Natur.

(mehr…)

Proteus

Einer der wenigen, vielleicht der einzige Film der letzten Jahre, der sich dem Zusammenhang von Kolonialismus, Rassismus und Homophobie stellt, ist Proteus, eine südafrikanisch-kanadische Koproduktion, die auf einer wahren Begebenheit des Jahres 1725 beruht. Originellerweise werden jedoch moderne Requisiten in den Film eingeführt (Schreibmaschinen, Radios, Polizeiuniformen), um einen Bezug zur jüngsten Vergangenheit herzustellen — dem Südafrika der Apartheid-Zeit. Wer mehr über den geschichtlichen Kontext erfahren möchte, die Sodomiterverfolgung des 18. Jahrhunderts, sei auf dieses Buch verwiesen, einem der besten Forschungserträge zum Thema. Und hier der eD2k-Link zum Download des Films via eDonkey.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm …

Tatsächlich sind die in diesem Beitrag zitierten Reggae-Verse, anders als das oft dargestellt wird, gar nichts spezifisch Jamaikanisches, sondern beziehen sich auf eine Jahrhunderte alte christliche Tradition, in der „Sodomiten“ (Männer, die Sex untereinander haben) mit Mordphantasien wie den folgenden überzogen werden:

Die villains die, O more than infamous
Foul monsters …
Drown, drown the hell-hounds, and revenge the wrong
Which they have done our Mother Nature long.

(mehr…)